DAS LEBEN DER HEILIGEN: DER HEILIGE JOHANNES BAPTIST DE LA SALLE (1651 – 1719)

“Wer ein einziges solches Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf.

Heute wenden wir uns einem Heiligen zu, der an diesem Tag nach dem Kalender des Alten Ritus gefeiert wird. Es ist der heilige Johannes Baptist de la Salle. Folgendes Evangelium ist für heute gewählt:

“In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Himmelreiche? Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehret und nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen! Wer also immer sich verdemütigt wie dieses Kind, der ist der Größere im Himmelreiche. Und wer ein einziges solches Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf. (Mt 18,1–5)

Zwei Aspekte stellt uns das Evangelium in Bezug auf die Kinder vor Augen. Zunächst ist es ihre Einfachheit und Offenheit. Dies ist die Haltung, mit der wir unserem göttlichen Vater begegnen sollten. Bei unverdorbenen Kindern gibt es noch eine wunderbare Arglosigkeit, die gerne aufnimmt, was man ihnen geben möchte. Auf diese Weise mit unserem Vater zu leben, bedeutet, daß wir empfänglich für die Liebe Gottes werden, die sich uns unmittelbar mitteilen kann. Hieraus erwächst die wahre Größe, denn im Himmelreich ist derjenige groß, der am meisten liebt und aller Diener wird. Wenn unser Herz offen ist wie das eines Kindes, dann nehmen wir nicht nur die Liebe Gottes auf dem direktesten Weg auf, sondern sie wird auch der Beweggrund für unser Handeln, denn die Liebe drängt uns, die Werke Gottes zu tun. Nicht zuletzt ist es der Heilige Geist, der uns zu den guten Werken bewegt und als die Liebe zwischen Vater und Sohn unsere Herzen erleuchtet.

Hinzu kommt die Haltung der wahren Demut, denn wenn wir uns auf die Weise des Kindes unserem liebenden Vater unterordnen, werden wir uns nicht selbst für groß halten. Wir wissen, daß wir die Empfangenden sind und alles Große Gott zukommt. Unser Anteil daran ist das, was Gott durch uns zu vollbringen vermag.

Jesus spricht in diesem Zusammenhang sogar von Bekehrung. Das heißt, daß wir diese offene Haltung nicht einfach von Natur aus mitbringen wie ein kleines Kind, sondern daß wir sie mit der Gnade Gottes erwerben können. Dies entspricht einem geistlichen Weg der Nachfolge Jesu, auf dem wir immer mehr lernen, alles vom Herrn als dem Ausgangspunkt zu empfangen und als Geschenk seiner Güte zu betrachten. Das vermag uns zu helfen, Eitelkeiten und falschen Stolz zu überwinden, und mit der Hilfe des Herrn all jene Haltungen in uns zu vermindern oder gar zu überwinden, die dem einfachen Einwirken des Heiligen Geistes im Wege stehen.

Den zweiten Aspekt finden wir in dem Wort: “Wer ein einziges solches Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf.

Hier können wir leicht die Brücke schlagen zum Heiligen des heutigen Tages.

Das Schicksal der armen Kinder und Jugendlichen in Reims (Frankreich) bewegte den jungen Kleriker, der aus einer wohlhabenden Familie in La Salle stammte. Als er zum Priester geweiht worden war, übernahm er deshalb die Leitung der »Sœurs de l’Enfant-Jésus« (der »Schwestern vom Kinde Jesu«), die sich der Erziehung armer Mädchen durch die Errichtung von Freischulen und die Ausbildung von Lehrerinnen widmeten. Bald darauf gründete er selbst eine kostenlose Schule für arme Knaben in Reims. Dort wurde in französischer Sprache und nicht wie zuvor in Latein unterrichtet.

Die Weise des Unterrichts erstreckte sich auf die ganzheitliche Bildung der Persönlichkeit mit dem Ziel, junge Menschen nicht nur intellektuell, sondern auch moralisch und spirituell auszubilden. Sein Einsatz für arme junge Menschen, die von der Gesellschaft oft vernachlässigt wurden, spiegelte die große Liebe und das tiefe Verständnis für menschliches Leid des heiligen Johannes Baptist wider. Deshalb zielten seine Lehre und Erziehung nicht auf reine Wissensvermittlung ab, sondern er wollte jedem Schüler mit derselben Barmherzigkeit begegnen, die Christus gezeigt hatte. Das diente dazu, die Würde und den inneren Wert jedes Menschen zu erkennen.

Diesem Werk widmete er sein ganzes Leben. Es entstand eine Ordensgemeinschaft um ihn herum, die als »Christliche Schulbrüder« bekannt wurde.

Jean Baptist hatte sich von der Not der Kinder und Armen treffen lassen, das Wort des Herrn verwirklicht und Kinder und Arme in seinem Namen aufgenommen. Ein Wort des Heiligen an seine Lehrer läßt uns verstehen, wie er die ihm anvertrauten Menschen erziehen wollte:

“Erwägt im Herzen, liebe Brüder, was der Apostel Paulus sagt: Gott habe in seiner Kirche Apostel, Propheten und Lehrer bestellt (1 Kor 12,28), und seid überzeugt, daß Gott auch euch in euer Amt eingesetzt hat. Das bezeugt euch derselbe Heilige Paulus, wenn er erklärt, es gebe verschiedene Dienste und verschiedene Kräfte und derselbe Heilige Geist zeige sich in jeder dieser Gaben zum gemeinsamen Nutzen, das heißt zum Nutzen der Kirche (vgl. 1 Kor 12,5.11). Ihr sollt also nicht an der großen Gnade zweifeln, die ihr erhalten habt: die Knaben zu lehren, ihnen die Frohe Botschaft zu verkünden und sie im Geist der Religion zu erziehen. Es ist ein großes Geschenk Gottes, daß er euch zu einer so heiligen Aufgabe berufen hat.

Möge daher eure Sorgfalt und euer Eifer die Schüler bewegen. Mögen sie fühlen, daß Gott sie durch euch ermahnt, weil ihr Gesandte Christi seid.

Ferner müßt ihr der Kirche zeigen, wie sehr ihr sie liebt, und ihr sollt ihr Beweise eurer Gewissenhaftigkeit geben. Denn ihr arbeitet durch die Kirche, den mystischen Leib Christi. Zeigt durch eure Arbeitsfreudigkeit, daß ihr die Menschen, die Gott euch anvertraut hat, liebt, so wie Christus die Kirche geliebt hat.

Wohl denen, die solche Erzieher haben!

HINWEIS: Ab morgen werden wir die Betrachtungen zum Heiligen Geist vom Jahr 2023 wiederholen, welche auch per Video zu verfolgen sind.

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