Weide meine Schafe!

In der so reichen Zeit zwischen der Auferstehung des Herrn, seiner Himmelfahrt und der Herabkunft des Heiligen Geistes wollen wir uns vermehrt dem Thema »Kirche« zuwenden. Sicherlich hat der Herr seine Jünger noch intensiver darauf vorbereitet, was auf sie zukommen würde, und sie in seine Pläne eingeweiht, soweit sie es begreifen konnten, und entsprechende Weichen gestellt. Eine dieser wesentlichen Weichen wird durch den folgenden Text verdeutlicht.

“Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich Dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich Dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, Du weißt alles; Du weißt, daß ich Dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!” (Joh 21,15–19)

Durch diese Worte der Heiligen Schrift verstehen wir, daß der auferstandene Herr dem Petrus, der ihn verleugnet hatte, eine Möglichkeit gab, ihm seine Liebe neu zu bezeugen. Petrus hat den Herrn geliebt, er hat alles verlassen (Mt 19,27) und ist ihm gefolgt. Er wollte gar sein Leben für ihn geben (Joh 13,37) – und hat ihn doch verleugnet, wie der Herr es ihm vorausgesagt hatte (Lk 22,55–62). Die Angst vor dem Tod war für ihn zu diesem Zeitpunkt noch zu stark. Er war noch nicht durch die Herabkunft des Heiligen Geistes so gestärkt, daß er diese schwere Versuchung hätte überwinden können.

Wie wir sehen, geht der Herr sehr liebevoll mit Petrus um. In seinen Worten ist keine Anklage zu erkennen, aber Jesus will es drei Mal von seinem Jünger hören, daß Petrus ihn liebt. In der Finsternis der Angst nach der Gefangennahme hatte Petrus Jesus ja auch drei Mal verleugnet.

Die erste Frage des Herrn lautet: “Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?”

Jesus fragt Petrus also, ob er ihn mehr liebt als die anderen. Das zeigt, was der Herr von denen möchte, die er in einen solchen Dienst beruft, wie er sich im Laufe der Kirchengeschichte als das Amt zeigte. Seine Liebe muß stark sein, denn er soll der Hirte der Kirche, der Hirte des Leibes Christi, werden. Petrus und seine Nachfolger sollen im Namen Jesu sprechen und handeln, und sie werden mit großer Vollmacht für ihren Dienst ausgestattet sein.

Der Schlüssel, um dieser Beauftragung folgen zu können, ist die Liebe zum Herrn. Sie muß der Antrieb sein, den Hirtendienst an den Lämmern und Schafen auszuführen. Alles andere kommt hinzu. Jesus fragt ja nicht: Kannst du das aus deiner Kraft? Bist du klug genug? Bringst Du alle menschlichen Vorzüge mit? Nein, er fragt: Liebst Du mich?

Petrus ist ein Berufener. Er hat sich diese Aufgabe nicht selbst ausgesucht, sondern es gilt das Wort des Herrn:  “Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt.” (Joh 15,16)

Nachdem Jesus wollte, daß Petrus seine Liebe bekennt, schenkt er ihm den wunderbaren Auftrag: “Weide meine Schafe!”

Es ist ein Hirtendienst, und Petrus lernt immer mehr, was dies bedeutet. Jesus selbst ist der gute Hirt (Joh 10,11) und das Vorbild für alle, die er in einen solchen Dienst berufen hat. Gott selbst ist der Hirte der Menschheit, der sein Leben für die Schafe hingibt. So wird verständlich, welche die wichtigsten Voraussetzungen für einen solchen Dienst im Reich Gottes sind, damit er im Geist des Herrn durchgeführt wird: eine große Liebe zu Gott und zu den Menschen, die ihm anvertraut werden.

“Weide meine Schafe!”

Der Dienst des Petrus, den wir als den ersten Papst erkennen, besteht primär in der geistlichen Fürsorge für die ihm anvertraute Herde. Diese soll mit dem Wort des Herrn gespeist werden, das unverfälscht als wahre Nahrung weitergegeben werden muß. Dies liegt unter seiner Aufsicht, denn schon bald kamen Irrlehren auf, welche die Apostel zurückweisen mußten. Die wahre Lehre ist unabdingbar, damit der entstehende Leib des Herrn, seine Kirche, nicht vergiftet wird. Die eindeutige Zurückweisung von Irrlehren ist daher unverzichtbar und gehört mit Dringlichkeit zum Amt des Petrus. Wenn dies nicht beachtet wird, dann wirkt es sich auf die Dauer verheerend auf die Gläubigen aus. Das Licht des Heiligen Geistes wird verdunkelt, und auch die Fähigkeit des Verstandes, die übernatürliche Wahrheit aufzunehmen und durch sie erleuchtet zu werden, wird geschwächt.

Die Kirche hat das die Jahrhunderte hindurch immer sehr ernst genommen. Vor einigen Tagen haben wir den heiligen Athanasius gefeiert, der mit dem Einsatz seines ganzen Lebens gegen die Ausbreitung der Irrlehre des Arianismus gekämpft hat. Gott sei Dank war sein Einsatz nicht umsonst, und die Irrlehre wurde verbannt!

Das Thema wird fortgesetzt.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/11686-2/#more-11686

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/reiche-frucht-bringen-2/#more-14155

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