Diese Betrachtung für den 15. Tag des Fastenwegs schreibe ich in Jerusalem im Schatten ernster Kriegshandlungen zwischen USA/Israel und dem Iran. Am 28. Februar 2026 hat am Morgen ein Bombardement Irans unter dem Namen »Operation Roaring Lion« (brüllender Löwe) begonnen, mit Raketenvergeltungsschlägen des Iran, die mit Sirenen in weiten Teilen Israels – auch in Jerusalem – angekündigt werden.
Der Lesungstext vom 4. März aus dem Buch Esther spricht von der Allmacht Gottes, das Evangelium (Mt 20,17–28) von der Königsherrschaft Christi.
Es wird berichtet, daß im Reich des persischen Königs Artaxerxes durch den Einfluß von Haman, dem zweiten Mann nach dem König, die Vernichtung aller Juden durchgeführt werden sollte. Im Buch Esther wird uns ein Gebet überliefert, welches in höchster Not zu Gott emporgetragen wurde:
“Mardochäus aber flehte zum Herrn, eingedenk all seiner Taten, und sprach: Herr, Herr, allmächtiger König! Deiner Macht ist alles unterworfen und niemand ist, der Deinem Willen zu widerstehen vermöchte, wenn Du beschlossen hast, Israel zu erlösen. Du hast Himmel und Erde geschaffen und alles, was in des Himmels Umkreis enthalten ist. Du bist der Herr über alles und keiner vermag Deiner Majestät zu widerstehen. Und nun, Herr, König, Gott Abrahams! Erbarme Dich Deines Volkes, denn unsere Feinde wollen uns verderben und Dein Erbe vernichten. Verschmähe Dein Erbteil nicht, welches Du Dir aus Ägypten gerettet hast. Erhöre mein Gebet und sei Deinem Lose und Anteil gnädig und wandle unsere Traurigkeit in Freude um, daß wir leben und Deinen Namen preisen, Herr! Und verschließe nicht den Mund derer, die Dir lobsingen.” (Est 13,8–11.15–17)
Hier wird die Allmacht Gottes gepriesen, die jede Situation zugunsten seines Volkes zu verwandeln weiß, wenn es aufrichtig zu ihm ruft. In diesem gläubigen Wissen wendet sich Mardochäus an den Herrn und vergegenwärtigt durch sein vertrauendes Gebet den Ausweg aus der verzweifelten Situation, in der sich die Juden befanden. Gott soll eingreifen, Gott soll retten, Gott soll sich erbarmen, Gott soll die Trauer in Freude verwandeln, Gott soll sich an seine Taten erinnern, damit das Volk weiter seine Taten preisen kann.
Wir kennen solche vollmächtigen Gebete, die voll des Glaubens sind und Gott in seiner über allem stehenden Macht anrufen und Erhörung finden. Es sind Gebete, die unserem Vater gefallen, denn sie stellen die Wirklichkeit her. Die Bedrohten verzweifeln nicht, sondern vertrauen sich – bar jeder eigenen Möglichkeit, die Situation zu bewältigen – der Allmacht des Himmlischen Vaters an. Und es ist wahr: Gott ist der Herr über alles und niemand und nichts kann ihm widerstehen.
Wie aber will Gott seine überragende Herrschaft auf der Erde aufrichten?
Das Evangelium gibt uns eine Antwort. Er sendet seinen mit aller göttlichen Vollmacht ausgestatteten Sohn, der Mensch wird. Nun kommt Jesus aber weder in der Pracht eines menschlichen Königssohnes, noch richtet er eine solche Macht sichtbar auf. Im Gegenteil! Er belehrt seine Jünger:
“Ihr wißt, daß die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen mißbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.” (Mt 20,25-28)
Die Herrschaft Gottes auf der Erde sieht ganz anders aus, als ein Erweis äußerer Kraft und Herrlichkeit. Es ist eine Herrschaft über die Herzen der Menschen. Sie sollen seine dienende Liebe kennen, die sich durchaus als vollmächtig erweist. Zeichen und Wunder begleiten den Weg des Herrn zur Heilung der Kranken, zur Befreiung der Besessenen, zur Beglaubigung seiner Gottessohnschaft und somit zur Verherrlichung des himmlischen Vaters. Jesus setzt keine Gewaltmittel ein, um die Menschen zum Glauben zu führen. Sein Mittel ist die unerschöpfliche Liebe, die aus dem Herzen des Vaters zu uns kommt und uns aus seinem Herzen angeboten wird. Es ist ein anderes Königreich, welches nicht von dieser Welt ist, wie es Jesus vor Pilatus bezeugt (Joh 18,36). “Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen” (Lk 1,52), wie es die Gottesmutter Maria preist.
Ohne eine legitime und notwendige Gewaltanwendung auf der Erde zu verneinen, die dazu dienen soll, dem Bösen zu wehren, ist die Königsherrschaft, der wir in der Nachfolge Christi dienen, anders. Sie ruft uns in den Dienst der Liebe: Der Herr sagt uns: “Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben, und selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden” (Mt 5,5.9).
So möchte ich heute, angesichts der Feindseligkeiten zwischen Israel und dem Iran, die sich nun konkret in kriegerischer Gewalt ausdrücken, zum Gebet für den wahren Frieden einladen. Ich wollte, es gäbe einen anderen Weg, als über mir die Kriegsflugzeuge hören zu müssen, die Sirenen mit ihrem traurigen und warnenden Ton zu vernehmen, dann die Einschläge der abgefangenen Raketen oder ihre Treffer mitzubekommen und durch die Nachrichten von Toten und Verletzten zu erfahren. Sollte das nicht möglich sein?
Deshalb ist es heute eine »Friedensblume«, die ich sammeln möchte, und ich bitte jene, die meine Ansprachen hören, sich unter folgendem Link (https://youtu.be/663oViTBcE0) mit einem Gesang von Harpa Dei zu vereinen und mit uns das »Kyrie eleison – Herr, erbarme Dich« zu beten.
Glauben wir an die Allmacht Gottes, die alles zu verändern vermag, und an die sanfte Herrschaft des Gottessohnes, der unter uns sein Reich des wahren Friedens aufrichten möchte!
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-plaene-des-unheils-durchkreuzen-2/#more-8548
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/unterweisungen-des-herrn/#more-6075

