Bevor wir in dieser Osterzeit noch weiter über die Kirche sprechen, um ihre Schönheit und Aufgabe, die sie vom Herrn erhalten hat, noch besser zu erfassen, sei mir erlaubt, mit einem kleinen Blick unsere Gemeinschaft Agnus Dei zu streifen, die am 24. April 1980 gegründet wurde.
Gewiß hat jedes Datum, jeder Tag, der von Gott geschenkt ist, seine eigene wertvolle Geschichte. Daher gilt es zu entdecken, was an den Tagen, die in unserem Leben besonders herausgehoben sind, sonst noch geschehen ist. Da es sich bei der Gemeinschaft Agnus Dei um eine geistliche Gemeinschaft von Katholiken handelt, schauen wir zunächst, welches Fest an diesem Tag in der Kirche gefeiert wird.
Mit Sicherheit hat der heilige Augustinus bei der Entstehung der Gemeinschaft auf verschiedenen Ebenen mitgewirkt, weshalb wir ihn heute besonders ehren, auch wenn heute schon der 28. April ist. Der Augustinerorden feiert nämlich am 24. April das Fest der Bekehrung des Heiligen Augustinus. Wir wissen, was alles aus seiner Bekehrung hervorgegangen ist, die er auch der Fürbitte seiner Mutter, der heiligen Monika, zu verdanken hatte. Sein Einfluß auf die Kirche, aber auch auf suchende Menschen, ist unschätzbar. Das gilt bis heute.
Deshalb haben wir an diesem Tag oft mit großer Dankbarkeit Auszüge aus seiner Bekehrungsgeschichte gelesen, denn einige von uns haben auch eine Umkehr von einem »verlorenen Leben« zur Nachfolge Christi erlebt. Andere, die mehr im Glauben aufgewachsen sind, erfuhren eine große Vertiefung ihres Glaubens, die sie erst zu einem solchen Weg der Nachfolge befähigt hat, wie sie in unserer Gemeinschaft Agnus Dei mit der Gnade Gottes gelebt wird.
Der heilige Augustinus war ein Suchender, der in geistiger und moralischer Hinsicht allerdings auf Abwege geraten war. Sein Herz verlangte jedoch aufrichtig nach Gott. In seinen »Confessiones«, den »Bekenntnissen«, beschreibt er seine Bekehrung, die auf ein bestimmtes entscheidendes Erlebnis zulief. Hier ein Auszug aus diesem Buch, der uns sein Ringen beschreibt:
“Als eine tiefe Betrachtung aus geheimem Grunde all mein Elend hervorzog und vor dem Angesichte meines Herzens sammelte, da brach ein gewaltiger Gewittersturm, den Tränen in Strömen begleiteten, in mir los. Ihm freien Lauf zu lassen, erhob ich mich und ging hinweg von Alypius; denn die Einsamkeit erschien mir geeigneter, um mich ausweinen zu können; ich ging hinweg, so weit, daß mich seine Gegenwart nicht mehr zu stören vermochte. So war ich damals und jener fühlte mit mir.
Ich glaube auch, daß ich schon etwas gesagt hatte, wobei der tränenschwere Ton meiner Stimme stockte, und so erhob ich mich denn. Er blieb, wo wir uns niedergesetzt hatten, zurück, von Staunen erfüllt. Ich aber warf mich am Stamme eines Feigenbaumes nieder und ließ meinen Tränen freien Lauf, und der Quell des Auges strömte hervor, ein Opfer, das du gern empfingst, und ich sprach, zwar nicht mit denselben Worten, aber doch in diesem Sinne, vieles zu dir: Du, o Herr, wie lange noch? Wie lange, Herr, wirst du zürnen? Sei nicht eingedenk unserer vorigen Missetat. Denn von ihr fühlte ich mich gefesselt und ich stöhnte laut in kläglichem Jammer. Wie lange noch? Wie lange noch dieses Morgen und immer wieder Morgen? Warum nicht jetzt, weshalb setzt nicht diese Stunde meiner Schande ein Ende?
So sprach ich und weinte bitterlich in der Zerknirschung meines Herzens. Und siehe, da hörte ich eine Stimme aus einem benachbarten Hause in singendem Tone sagen – ein Knabe oder ein Mädchen war es: Nimm und lies! Nimm und lies! Ich machte eine andere Miene und sann nach, ob vielleicht Kinder in irgendeinem Spiele dergleichen Worte zu singen pflegen, konnte mich aber nicht erinnern, jemals davon gehört zu haben. Da drängte ich meine Tränen zurück, stand auf und legte die gehörten Worte nicht anders aus, als daß ein göttlicher Befehl mich die Heilige Schrift zu öffnen heiße und daß ich das erste Kapitel, auf welches mein Auge fallen würde, lesen sollte. Denn ich hatte von Antonius gehört, daß er beim Vorlesen des Evangeliums in der Kirche, zu dem er zufällig gekommen war, das Wort, das da vorgelesen wurde, als eine Ermahnung auf sich bezog: »Gehe hin und verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach.« Durch solche Gottesstimme sei er sogleich bekehrt worden.
Und so kehrte ich eiligst zu dem Orte zurück, wo Alypius saß und wo ich bei meinem Weggehen die Schriften des Apostels Paulus zurückgelassen hatte. Ich ergriff das Buch, öffnete es und las still für mich den Abschnitt, der mir zuerst in die Augen fiel: »Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet an den Herrn Jesum Christum und pfleget nicht des Fleisches in seinen Lüsten.« Ich las nicht weiter, es war wahrlich nicht nötig, denn alsbald am Ende dieser Worte kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entfloh.”
“Unruhig ist unser Herz, bis es Frieden findet in Dir” ist eines der wunderbaren Worte, die uns von Augustinus überliefert sind. Er hatte den Frieden des Herzens gefunden, und von Stunde an ging er seinen Weg mit dem Herrn, ohne Zweifel und mit großer Hingabe.
Für uns, die wir auch versuchen, Jesus zu folgen, bleibt er ein Freund und Begleiter. Wir danken ihm, daß er auf den Ruf des Herrn geantwortet hat, und wir danken dem Herrn, daß er seiner Kirche diesen Heiligen zugeführt hat!
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/8871-2/#more-8871
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/keiner-kann-sie-meiner-hand-entreissen-2/#more-14121

