Die Kirche als Lehrerin der Völker

Liturgisch gesehen ist noch die Zeit, in der der auferstandene Herr Jesus bei seinen Jüngern ist, um sie im Glauben an seine Auferstehung zu festigen und sie auf das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten vorzubereiten. Pfingsten verstehen wir als den Gründungstag der Kirche, die gemäß unserem Glauben Christi Leib ist, gegründet auf dem Fundament der Propheten und seiner Apostel. Sie ist jenes Israel, das den als den verheißenen Messias erkannt hat, der gekommen ist, um sein Volk zu erlösen. Alle, die die Stunde des Heils erkannten und die Gnade Gottes annahmen, traten in den Dienst des Erlösers und wurden so zu Zeugen Christi.

Bis zum Pfingstfest verbleiben uns noch dreißig Tage, in denen es passend ist, einige Betrachtungen über die Kirche einzufügen: die eine, heilige, katholische Kirche, die aus Juden und Heiden hervorgegangen ist und durch die Jahrhunderte hindurch berufen ist, als Lehrerin der Völker das Heil in Christus zu vermitteln.

Gott hat ein großes Werk in Gang gesetzt, um Menschen aus allen Völkern zum Glauben zu führen, sie auf diese Weise zu sammeln und in sein Reich heimzurufen. Es war sein auferstandener Sohn, der seinen Jüngern in Galiläa – wie wir es im Evangelium hören – folgenden Auftrag gab:

“Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.” (Mt 28,18-20)

Das ist der bleibende Auftrag der Kirche, der bis ans Ende der Welt durchgeführt werden soll. Man muß die Worte sehr genau hören, um auch Abirrungen und Relativierungen des Sendungsauftrags Jesu wahrnehmen zu können, wie sie besonders in jüngster Zeit zu einer Verdunkelung der Kirche geführt haben. Darüber werden wir sprechen, wie auch über schmerzhafte Abspaltungen von der einen Kirche des Herrn.

Zunächst erfreuen wir uns jedoch daran, daß sich die Botschaft Christi – wenn auch oft unter Verfolgung – ausbreitete und viele Menschen zum Heil fanden. Über die Grenzen Israels hinaus, wohin Jesus gesandt war, fand die Botschaft den Weg in die heidnische Welt. Die Kirche wurde zur Erzieherin der Menschheit und brachte das göttliche Licht überall hin, wie es der heilige Irenäus im 2. Jahrhundert beschreibt.

“Der Pfad derer, die zur Kirche gehören, führt um die ganze Welt; er hat die feste, apostolische Tradition und läßt uns erkennen, daß aller Glaube ein und derselbe ist: Alle bekennen ein und denselben Gott-Vater, alle glauben an dieselbe Ordnung der Menschwerdung des Sohnes Gottes, wissen von derselben Gabe des Geistes, beobachten dieselben Gebote und bewahren dieselbe Form der kirchlichen Verfassung, erwarten dieselbe Ankunft des Herrn und erhoffen dieselbe Heiligung des ganzen Menschen, das heißt des Leibes und der Seele. Wahr und fest ist die Predigt der Kirche; ein und derselbe Weg zum Heil wird in der gesamten Welt gewiesen. Ihr ist das Licht Gottes anvertraut, und deshalb wird die Weisheit Gottes, die alle Menschen rettet »am Ausgang besungen, und auf den Straßen wirkt sie mit Zuversicht, oben auf den Mauern wird sie gepriesen, an den Toren der Stadt redet sie beständig« (Spr 1,20-21). Denn überall predigt die Kirche die Wahrheit, sie ist der siebenarmige Leuchter, der Christi Licht trägt.” (Gegen die Häresien 5, 20.1)

Halten wir fest, was für uns wichtig ist. Es herrschte eine Einheit in Lehre und Praxis. Überall brachte dies große Frucht. Wenn auch bereits früh verderbliche Irrlehren entstanden sind, hielt man an der Tradition der Apostel fest, sodaß die Verkündigung klar und ohne Widersprüche war. Sie war jenes klare Wasser, das vom Thron des Lammes ausgeht. “Er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus.” (Apk 22,1)

Aus der Botschaft des Evangeliums und aus der Apostelgeschichte wissen wir, daß sich die Feindschaft der Juden gegen das Evangelium und gegen die Juden, die zum Glauben gefunden hatten, fortsetzte. Sie verfolgten die Apostel und versuchten, den Völkerapostel Paulus daran zu hindern, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Leider wurde damit weitergeführt, was schon mit Jesus geschah. Statt daß die Juden der damaligen Zeit und besonders ihre religiösen Vorsteher zu Verkündern der Heilsbotschaft wurden und über das Kommen des Messias zu ihnen frohlockten – des Messias, der aus ihrem Volk stammte –, pervertierten sie, “vom Evangelium her gesehen”, zu “Feinden Gottes” (Röm 11,28), wie der heilige Paulus es ausdrückt. So konnten sie ihre Sendung nicht erfüllen, und wir warten und beten, daß sich noch ereignet, daß viele Juden Jesus als den Messias erkennen. Das wäre ein großer Segen für alle!

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/verkuendet-das-evangelium-allen-geschoepfen-2/#more-14137

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