Der Apostel fährt fort mit seinen Ermahnungen, wie das christliche Leben für die Gemeinde in Kolossä aussehen soll:
“Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade. Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!”
Wir wissen, wie wichtig die Vergebung für das Gelingen eines Lebens in Gemeinschaft ist. Wenn diese Vergebung von Gott geschenkt wird, dann soll sie sich als Frieden in der Gemeinde ausbreiten. Jesus hat auf die Frage des Petrus hin ja auch gemahnt, daß man seinem Bruder quasi immer vergeben sollte. Dies ist wichtig zu verstehen. Wenn wir nicht bereit sind zu vergeben, bleiben wir gewissermaßen in einer Anklageposition. Verhärtet sich diese Position immer mehr, dann wird der “Ankläger unserer Brüder” (Apk 12,10) seine Freude daran haben.
Gerade die Vergebung der Sünden, die uns Gott durch das Opfer seines Sohnes gewährt, nimmt dem Ankläger die Waffen aus der Hand, die er gegen uns Menschen richtet. Selbst wenn ein Bruder, der tatsächlich etwas gegen uns getan hat, noch nicht um Vergebung gebeten hat, sollten wir an unserem Herzen arbeiten, um immer Vergebung gewähren zu können.
“Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.
Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht aufgebracht gegen sie!
Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem; denn so ist es gut und recht im Herrn.
Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden.”
Der Apostel stellt uns hier eine Hausordnung vor, wie sich ein gottgewolltes harmonisches familiäres Zusammenleben gestaltet. Heute reagiert man sehr empfindlich, wenn man von der Unterordnung der Frau unter ihren Ehemann hört. Das widerspricht dem Geist der Zeit, in der auch in der christlichen Welt der Sinn für die Familie zu schwinden droht. Zu sehr haben sich andere »parallele Lebensmodelle« im öffentlichen Denken und auch in der Praxis installiert.
Oft wird das Unterordnen falsch verstanden, vielleicht manchmal auch falsch praktiziert. Es geht um die verschiedenen Aufgaben und damit auch um die unterschiedliche Art von Mann und Frau, die auf Ergänzung hingeordnet sind. In der damaligen Welt des Apostels war es selbstverständlich, daß die Familie den zentralen Platz einnahm, die Frau insbesondere als Gattin und Mutter ihre Aufgabe hatte und der Mann stärker die Kontakte nach außen pflegte. Er übernahm daher die gesellschaftlichen Aufgaben und entsprechende Positionen. Die Frau diente dieser Aufgabe und ordnete sich unter, während sie dem Haushalt – oft mit vielen Kindern – vorstand.
Die Männer werden aufgefordert, ihre Frauen zu lieben und entsprechend mit ihnen umzugehen. Dadurch wird die liebende Gemeinschaft zwischen Mann und Frau sowohl für die Kinder, als auch für den Mann in seiner gesellschaftlichen Aufgabe zu einer Quelle. Eine selbstverständliche Unterordnung der Kinder unter die Eltern sowie die Mahnung an die Väter, weise mit ihnen umzugehen, vervollständigen das Bild der Familie, wie sie Paulus vor Augen hat. In diesem Zusammenhang muß noch einmal unterstrichen werden, daß Paulus immer auf den Herrn verweist, damit sich das familiäre Leben in Übereinstimmung mit seinem Willen entfaltet.
Bevor der Apostel das Schreiben mit persönlichen Mitteilungen und Grüßen abschließt, gibt er der Gemeinde noch einige Ratschläge mit auf den Weg, versehen mit der Bitte um das Gebet für sich und seine Mitarbeiter.
“Laßt nicht nach im Beten; seid dabei wachsam und dankbar! Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet für das Wort und wir das Geheimnis Christi predigen können, für das ich im Gefängnis bin. Betet, daß ich es wieder offenbaren und verkündigen kann, wie es meine Pflicht ist. Seid weise im Umgang mit den Außenstehenden, nutzt die Zeit! Eure Worte seien immer freundlich, doch mit Salz gewürzt; denn ihr müßt jedem in der rechten Weise antworten können.”
Nie vergißt Paulus, die Gläubigen auf die Dankbarkeit gegenüber Gott hinzuweisen für all das, was er für die Gemeinde getan hat. Dankbarkeit ist in der Tat der Schlüssel, damit sich das Herz immer weiter für Gott öffnet und die Liebe wächst. Ebenso erhält das ausdauernde Gebet die Verbindung mit dem Herrn aufrecht und vertieft sie.
Die Kolosser sollen die Zeit nutzen, die Gott ihnen noch auf der Erde schenkt. Ein Hinweis, der auch für uns von großer Bedeutung ist. Wir können für unser Heil und für das Heil vieler Menschen arbeiten, wenn wir uns ganz in die Hände Gottes schenken.
Paulus weist auch noch auf die Außenstehenden hin. Sie sollen von uns freundlich behandelt werden. Unsere Worte sollen mit der Wahrheit gewürzt sein, denn so werden wir jedem antworten können und ein Zeugnis ablegen für den, der uns bis in den Tod geliebt hat.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-schule-des-apostels/#more-10222
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-freiheit-vom-mammon-2/#more-13006
