Wir erinnern uns, daß ein Grund des Briefes, den der heilige Paulus an die Gemeinde in Kolossä verfaßte, die Sorge um den Einfluß der Irrlehren auf die noch so junge Gemeinschaft der dortigen Christen war. Epaphras (Kol 1,7), der in seinem Auftrag die dortige Mission durchführte, hatte ihm darüber berichtet.
Warum sind Irrlehren so gefährlich? Warum stellten sie von Anfang an und durch die ganze Kirchengeschichte hindurch bis zum heutigen Tag eine große Bedrohung dar? Der heilige Gregor der Große wird in Verbindung gebracht mit der Einführung der Friedensbitte die unmittelbar auf das Vaterunser in der Heiligen Messe folgt, und in der es ausdrücklich heißt: “Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen, daß wir von Sünden allezeit frei und vor jeder Verwirrung gesichert seien.”
Unser Verstand wird vom Licht des Heiligen Geistes erleuchtet, der uns an all das erinnert, was Jesus getan und gesagt hat (Joh 14,26). Die Kirche, geführt vom Heiligen Geist, hat die Wahrheit des Evangeliums angenommen und steht in ihrem Dienst.
Unser Verstand nun stimmt der erkannten Wahrheit zu, und all unser Denken und Handeln ist gerufen, in den Dienst für die Wahrheit – und damit für Gott – einzutreten. Darin gilt es zu bleiben, um so zum ewigen Leben zu gelangen.
Wenn sich jedoch ein Irrtum in der Kirche ausbreiten würde, stünde zwischen dem Heiligen Geist und unserem Verstand eine Täuschung, ein falsches Licht, eine Ablenkung von der Wahrheit, eine Relativierung – was entsprechende Auswirkungen hätte. Es käme zu einer Trübung im Erkenntnisprozeß, der Verstand würde zunehmend verdunkelt. Auch der Wille, der in den Dienst der Wahrheit tritt, wird in Mitleidenschaft gezogen.
Wenn dieser Irrtum nicht erkannt und beseitigt wird, oder gar als eine Art »Erleuchtung« betrachtet wird, dann tritt der Wille sogar in den Dienst des Irrtums und trägt zu seiner Ausbreitung bei. Die Reinheit der Lehre wird untergraben und das Gift der falschen Lehre dringt immer mehr in den Leib der Kirche ein. Je höher das Gut ist, welches vom Irrtum angegriffen und verfälscht wird, desto größer und verderblicher sind die Auswirkungen.
Dem Apostel ist das sehr wohl bewußt, und als Verantwortlicher der Mission verliert er keine Zeit, die ihm anvertraute Herde zu warnen:
“Gebt acht, daß euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen. Denn in ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes. Durch ihn seid auch ihr davon erfüllt; denn er ist das Haupt aller Mächte und Gewalten. In ihm habt ihr eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung, die Christus gegeben hat. Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Körper.
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.
Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, daß er ihn an das Kreuz geheftet hat. Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat er über sie triumphiert.” (Kol 2,8–15)
Mit der ersten Warnung verbindet Paulus sofort die rechte Antwort, welche auf eine falsche Philosophie und auf falsche Lehren erfolgen muß, denn all das sind Menschenwerke und – man könnte hinzufügen: nicht selten gar dämonisch inspiriert. Daher haben sie in Fragen des Glaubens keine Autorität, denn die Autorität kommt allein von Christus. Diese Lehren entbehren des übernatürlichen Charakters. Deshalb verwirren sie.
Wenn Paulus dann von der wahren Beschneidung in Christus spricht, “die man nicht mit Händen vornimmt”, dann hat er bestimmt auch die zu Christus bekehrten Juden im Blick, von denen einige immer darauf gedrängt haben, daß die zum Glauben gekommenen Heiden beschnitten werden sollten. Auch das war verwirrend für die Gemeinde, denn mit dem Herrn kamen Gnade und Wahrheit (Joh 1,17), und es galt für alle, nun in Christus zu leben.
Paulus spricht es noch einmal deutlich aus:
“Darum soll euch niemand verurteilen wegen Speise und Trank oder wegen eines Festes, ob Neumond oder Sabbat. Das alles ist nur ein Schatten von dem, was kommen wird, die Wirklichkeit aber ist Christus. Niemand soll euch verachten, der sich in scheinbarer Demut auf die Verehrung beruft, die er den Engeln erweist, der mit Visionen prahlt und sich ohne Grund nach weltlicher Art wichtig macht. Er hält sich nicht an das Haupt, von dem aus der ganze Leib durch Gelenke und Bänder versorgt und zusammengehalten wird und durch Gottes Wirken wächst. Wenn ihr mit Christus gestorben seid und euch von den Elementen der Welt losgesagt habt, warum laßt ihr euch dann, als würdet ihr noch in der Welt leben, vorschreiben. Berühre das nicht, iß nicht davon, faß das nicht an! Das alles wird verbraucht und dadurch vernichtet. Menschliche Satzungen und Lehren sind es. Man sagt zwar, in ihnen liege Weisheit, es sei ein besonderer Kult, ein Zeichen von Demut, seinen Körper zu kasteien. Doch es bringt keine Ehre ein, sondern befriedigt nur die irdische Eitelkeit.” (Kol 2,16–23)
Aufgrund der Wichtigkeit dieses Themas der falschen Lehren und des richtigen Umgangs mit ihnen, werde ich es morgen fortsetzen.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-erkenntnis-christi-uebertrifft-alles-3/
