Betrachtungen zum Heiligen Geist (7/14): DIE FREUNDLICHKEIT

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Heiliger Geist, man sagt von Dir, daß Du ein freundlicher und menschenliebender Geist bist, und daß eine Frucht, welche Du in der menschlichen Seele wachsen läßt, die Freundlichkeit ist.

Die Freundlichkeit ist eine angenehme Haltung des Menschen, durch die man leicht die anderen gewinnt und ihnen das Gefühl gibt, geliebt und anerkannt zu sein. Und wenn diese Freundlichkeit ohne Falsch ist – was sie ohne Zweifel ist, wenn sie als eine Frucht Deines Wirkens in der Seele ausreift – dann ist sie eine Sonne im Leben des Menschen. Sie spiegelt jene Haltung wider, mit der uns Gott begegnet, denn Gott will nicht nur, daß wir ihn als unseren Vater erkennen, sondern er möchte auch unser vertrauter Freund sein.

Jesus bezeichnet seine Jünger als seine Freunde (vgl. Joh 15,15), und so behandelt er sie auch. Sein Herz ist ihnen zugewandt, er bejaht sie – was ihn jedoch nicht daran hindert, ihnen auch ihre Fehlhaltungen zu verdeutlichen, um sie tiefer mit der Liebe Gottes zu verbinden.

Freundlichkeit, lieber Heiliger Geist, besteht also nicht darin, alles, was der andere Mensch tut, zu bejahen, sondern sie ist eine Haltung des Herzens, die dem Menschen grundsätzlich zugewandt ist, die ihm ermöglicht, sich in unserer Gegenwart angenommen zu wissen, sich nicht schützen zu müssen, Mißtrauen ablegen und uns frei begegnen zu können! Sie schafft eine Basis des Vertrauens.

Umso deutlicher wird es, oh Heiliger Geist, daß es eine echte Freundlichkeit sein muß, keine vorgeschobene oder manipulierende und schon gar nicht jene Haltung, die nach außen freundlich ist, dann aber hinter dem Rücken böse reden kann. Das sei ferne!

Die Freundlichkeit, die Deine Frucht ist, schließt also eine Herzensverwandlung ein. Man ist dann nicht nur manchmal freundlich und dann wieder unfreundlich und von Stimmungen abhängig, sondern diese Freundlichkeit wächst aus der Liebesverbindung mit Dir.

Wenn sie durch Deine Gnade zu einer dauerhaften Grundstimmung des Herzens heranreifen soll, dann räume doch alles aus, was in meinem Herzen noch gegen andere Menschen stehen mag, daß nicht Sympathien oder Antipathien mich bestimmen, sondern das Ja, welches Du grundsätzlich zu den Menschen sprichst!

So können alle, geliebter Gott, Deine Menschenfreundlichkeit kennenlernen, und wenn diese noch durch Taten der Liebe erhöht wird, dann merken sie vielleicht auch, daß die Freundlichkeit nicht nur eine angenehme menschliche Haltung ist, sondern einen noch tieferen Ursprung in Dir hat, besonders dann, wenn sie eine dauerhafte Weise unserer Begegnung mit den Menschen ist.

Und das, lieber Heiliger Geist, ist für uns Christen so wichtig. Nicht wir wollen im Vordergrund stehen, sondern die Menschen sollen Dich als Ursprung alles Guten erkennen, Deine Freundlichkeit und Güte. Doch wenn wir durch unsere Freundlichkeit einen Weg zu dieser Erkenntnis öffnen können, dann reinige uns erst recht und läutere alles Unechte aus uns heraus, alles Selbstbezogene, so daß Deine lichte Gegenwart in uns wachsen kann!