Jeanne kam am 6. Januar 1412 in Domrémy (Frankreich) als viertes Kind von Jacques d’Arc und seiner Frau Isabelle zur Welt. Sie wuchs in einfachen bäuerlichen Verhältnissen auf, konnte weder lesen noch schreiben, erlernte das Spinnen und Nähen und hütete manchmal das Hauswesen. Ihre Eltern galten als rechtschaffene Christen. Von ihrer Mutter wurde Jeanne im Glauben unterwiesen.
Als im Jahr 1456 im Zuge der Rechtfertigung von Jeanne, (König Karl VII. hatte den Auftrag gegeben, die Wahrheit über den kirchlichen Prozeß gegen Jeanne herauszufinden) Zeugen aus dem Dorf Domrémy befragt wurden, gaben sie ein einhelliges Zeugnis über sie ab. Sie galt als frommes Mädchen, das gerne zur Kirche ging und den Menschen half. Möge das Zeugnis des Bauern Simonin Musnier vom 30. Januar 1456 für viele ähnliche Zeugnisse stehen:
“Ich bin mit Jeanne, die man Jungfrau genannt hat, aufgewachsen. Ich wohnte in der Nähe vom Haus ihres Vaters. Wirklich, ich weiß wie gut sie war, wie schlicht und fromm! Sie verehrte Gott und seine Heiligen. Sie ging oft und gerne zur Kirche und zu den geweihten Orten, tröstete die Kranken und gab den Armen Almosen: das konnte ich selbst erfahren: Als ich klein war, ging es mir nicht gut, und Jeanne kam, um mich zu trösten.”
Als Jeanne dreizehn Jahre alt war, erschien ihr der Erzengel Michael. Sie beschreibt selbst die Begebenheit, als sie am 22. Februar 1431 im Prozeß in Rouen von Magister Beaupère nach ihren Stimmen gefragt wurde, die sie vernahm. Sie sagte unter Eid aus:
“Als ich dreizehn Jahre alt war, hatte ich eine Stimme, die von Gott kam, um mich zu leiten. Das erste Mal hatte ich große Furcht. Die Stimme kam zur Mittgasstunde; es war im Sommer im Garten meines Vaters. Ich hatte den Tag zuvor gefastet. Ich habe die Stimme gehört mir zur Rechten, von der Seite der Kirche her.”
“Mir schien die Stimme erhaben. Ich glaube, sie war mir von Gott geschickt. Beim dritten Anlauf wußte ich: Es war die Stimme eines Engels. Die Stimme hat mich immer recht geleitet und ich habe sie immer verstanden.”
Auf die Frage des Magisters, was die Stimme ihr in Bezug auf ihr Seelenheil gesagt habe, antwortet sie:
“Mich gut zu führen. In die Kirche zu gehen. Vor allen Dingen hieß er mich, ein gutes Kind zu sein, und Gott würde mir helfen. Unter anderem sagte er mir, daß ich dem König von Frankreich zu Hilfe kommen solle […] und der Engel berichtete mir von dem großen Elend, in dem Frankreich sich befand.”
Aus ihrem Verhör – so peinvoll es für Jeanne auch war – erfahren wir doch aus ihrem eigenen Mund sehr viel über das, was mit der Erscheinung des Engels begonnen hatte, weil während des Prozesses gegen sie alles aufgeschrieben wurde.
So berichtet Jeanne, daß zuerst der heilige Erzengel Michael zu ihr kam, der von Engeln des Himmels begleitet war. Diese Begegnung war für sie so schön, daß sie bezeugte: “Als sie mich verließen, weinte ich, denn ich wünschte, sie hätten mich mit sich fortgenommen.”
Wir hören von ihr selbst, daß sie von Gott zwei Heilige zu ihrer Begleitung erhielt.
“Als mir der heilige Michael erschien, sagte er mir, daß die heilige Katharina und die heilige Margaretha zu mir kämen, und daß ich tun solle, was sie mir raten würden. Sie hätten den Befehl erhalten, mich zu leiten und zu beraten. Ich solle ihnen glauben. Es sei auf Befehl unseres Herrn.”
Mit dem Erscheinen des Engels und der geistlichen Begleitung durch die Heiligen begann für Jeanne die nähere Vorbereitung auf die Mission, die Gott für sie vorgesehen hatte.
Ihre Auswahl der sie begleitenden Heiligen durch Gott läßt uns schon erahnen, was auf Jeanne zukommen wird.
Der heilige Erzengel Michael ist der Patron Frankreichs. Wir wissen, daß er es war, der sich den aufrührerischen Engeln entgegengestellt und als himmlischer Heerführer die Gott treu gebliebenen Engel im »himmlischen Krieg« angeführt hat.
“Es erhob sich ein großer Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften.” (Apk 12,7)
Gott stellt seiner Jeanne also einen »Kriegerengel« zur Seite. Wenn Jeanne später auch einen irdischen Krieg zu führen hat, gilt es immer, die himmlische Dimension miteinzubeziehen, denn die treuen Engel kämpfen auf ihre Weise auf der Seite derer, die Gottes Werke tun.
Die beiden heiligen Jungfrauen sind die heilige Katharina von Alexandrien und die heilige Margaretha von Antiochia. Beide sind Märtyrerinnen.
Eine Besonderheit ist bei der heiligen Katharina zu bemerken, die offensichtlich die Hauptbegleiterin von Jeanne wurde. Es wird erzählt, daß sie vor fünfzig Philosophen des damaligen Königs, der von ihr das Opfer für die heidnischen Gottheiten verlangte, ihren Glauben so klug und erleuchtet verteidigte, daß sich die Philosophen zum christlichen Glauben bekehrten und mit ihr zusammen das Martyrium erlitten.
Vorausschauend sehen wir, daß auch Jeanne später ihre Mission gegen Gelehrte zu verteidigen hatte und daß ihr der Herr die richtige himmlische Begleiterin zur Seite gestellt hatte.
Doch eilen wir nicht weiter voraus, sondern halten zunächst fest:
Gott führt die dreizehnjährige Jeanne d’Arc aus Domrémy durch den heiligen Erzengel Michael und die beiden Heiligen behutsam zu ihrer Aufgabe. Er findet in ihr ein Herz vor, das ihn liebt und ihm willig folgt. Ihr kann er eine so ungewöhnliche Aufgabe anvertrauen, daß bis heute immer wieder versucht wird, das Geschehen von damals darzustellen und zu erfassen.
ANMERKUNG: Über Jeanne d’Arc haben wir ein Hörspiel erstellt. Man kann es unter folgenden Links anhören oder herunterladen:
Vollständige Fassung in drei Teilen: https://elijamission.net/diverse-themen-index/
Kurzfassung: https://www.youtube.com/watch?v=62OMBIyvqRg

