Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil III

Dieser kleine Exkurs, der uns die Wichtigkeit der Bekehrung des Herzens vor Augen stellen will, soll uns helfen, unsere Bemühungen um ein reines Herz auch in einer übergeordneten geistlichen Dimension zu verstehen. Es ist der Heilige Paulus, der uns deutlich macht, daß wir zu kämpfen haben “gegen die Fürsten und Gewalten, […] gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs” (Eph. 6,12). Diese bedienen sich unserer bösen menschlichen Neigungen, um sie zu verstärken. Verfinstert sich unser Herz, dann ist es für diese Kräfte leicht, uns in ihren Widerstand gegen Gott einzubinden oder uns zumindest für den wahren Kampf gegen sie zu schwächen und unfähig zu machen.

Ein Herz jedoch, das durch die Hilfe des Heiligen Geistes immer reiner wird und in dem die Gnade Gottes wirkt, ist für sie unerträglich. Denken wir an das reine Herz der Jungfrau Maria, vor dem sie fliehen! Hinzu kommt, daß ein solches Herz immer stärker in der Liebe zu Gott und den Menschen entzündet wird und sich völlig in den Dienst des himmlischen Vaters stellt. Das bedeutet, den Kampf gegen alles aufzunehmen, was die Ehre Gottes beflecken will, und das Evangelium zu den Menschen zu tragen. Dies wiederum schwächt die Kraft des Teufels, sodaß jedes reine Herz für ihn zu einer Bedrohung wird, da es sich nicht nur seinen Machenschaften entzieht, sondern in der Kraft des Herrn gegen sie vorgeht. Auf dieser Ebene nun können wir – in dem Rahmen, der uns gegeben ist – unseren Platz im »Heer des Lammes« einnehmen und durch unser Gebet und den Weg der Heiligkeit daran mitwirken, daß der Friede Christi zu den Menschen kommt und die Macht seiner Liebe die Finsternis vertreibt.

Diese Zeilen mögen uns dazu bewegen, die Reinigung unseres Herzens unter der Führung des Heiligen Geistes mitzuvollziehen. Schauen wir jetzt noch auf ein Laster, welches das Herz sehr verfinstert, um es im Licht Gottes überwinden zu können: den Neid.

Der Neid ist eine sehr hartnäckige Bosheit, die wir mit Entschiedenheit angehen müssen.  Der Neid verschließt unser Herz Gott und den anderen Menschen gegenüber und macht unser Wesen dunkel. Wenn wir dem Neid in unserem Herzen absagen und unseren Willen darauf richten, dem anderen das von Gott gegebene Gut zu gönnen und dem Herrn dafür zu danken, dann haben wir die richtige Richtung eingeschlagen. Damit dieser Willensakt beständig wird, benötigen wir die Hilfe des Heiligen Geistes, damit auch der Grund berührt wird, aus dem dieser Neid fließt – eben aus dem Herzen.

Der Neid kommt aus der Finsternis – die Heilige Schrift spricht vom “Neid des Teufels (Weish 2,24) – und er verdunkelt unser Herz. Wenn wir uns dem Neid überlassen, wird unser Herz böse und der Neid wird zur Triebfeder böser Handlungen. Er ist in jeder Hinsicht zerstörerisch und tötet die Liebe.

Der Heilige Geist hingegen ist die Liebe selbst, die in unsere Herzen ausgegossen ist (Röm 5,5). Es ist die Weise, in der unser himmlischer Vater seinen Thron in uns errichten will. Die Liebe Gottes mißgönnt niemandem etwas. Im Gegenteil: Sie schenkt sich uns und macht uns zu Beschenkten, die andere ebenfalls beschenken können. Wenn wir, statt den Antrieben der Finsternis zu folgen, uns von ihr distanzieren, dann sagen wir mit einem solchen Akt willensmäßig der Bosheit ab. Dieser Akt ist schon vom Heiligen Geist gestützt, sonst könnten wir den Neid gar nicht richtig erkennen und entsprechend handeln.

In der konkreten und ausdauernden Anrufung des Heiligen Geistes in die Dunkelheit des Neides hinein berührt dieser die Finsternis in uns und verwandelt sie, denn die Finsternis muß dem Licht weichen.

Anders ausgedrückt: Die Liebe Gottes zieht nun an diesem Punkt verstärkt in unser Herz ein und löst es heraus aus der Umklammerung des Bösen. An die Stelle der Enge der Bosheit tritt die Weite der Liebe.

Es ist in der Regel ein langer Kampf. Immer wieder wird man den Neid in sich wahrnehmen! Nach einiger Zeit aber wird es in geschwächter Weise sein, wenn die Liebe Gottes mehr Raum in unserem Herzen gefunden hat. Doch immer gilt es, Akte zu vollziehen, die dem Neid entgegenwirken. Man wird darunter leiden, wenn man den Neid noch in seinem Herzen wahrnimmt, obwohl man sich schon willentlich von ihm getrennt hat. Dieses Leiden ist jedoch sehr gut und heilsam. Es zeigt auf, daß schon mehr die Liebe in unserem Herzen lebt. Wir leiden nun zunehmend unter unserer Neigung zum Bösen und wollen doch schon so gerne anders sein, so wie Gott es möchte!

Was ich nun in Bezug auf den Neid ausgeführt habe, gilt für alle anderen Laster, die der Herr uns im Evangelium vor Augen stellt (Mk 7,14 –23). Es gilt, sie im eigenen Herzen zu erkennen, sich von den Lastern abzuwenden, die Tugenden anzustreben und im konkreten Prozess der Umwandlung um Heilung und Befreiung durch den Heiligen Geist zu bitten.

Das ist ein Weg, den wir beschreiten können, um an der Umwandlung unseres Herzens mitzuarbeiten. Damit wir den Mut nicht verlieren, sollten wir nie vergessen, daß alles in der Gegenwart des liebenden Vaters geschieht, der unsere Heiligung möchte. Es soll schon jene Fülle der Heiligkeit in uns wohnen, die auf der Erde möglich ist (vgl. Mt 5,48). Gott ist ein Vater, der unsere Schwächen und Rückfälle kennt und der uns immer wieder aufrichtet. Die Sakramente sind hierzu eine unschätzbare Hilfe, besonders das Sakrament der Buße und der Eucharistie.

Wir sind also zu diesem wahren und edlen Kampf gerufen, und durch das Sakrament der Firmung sind wir bereits für ihn gestärkt worden. Es handelt sich hier um den wahren Kampf, denn mit ihm kommen wir zum Zentrum. Ich erinnere: Die Mächte der Finsternis wollen sich der bösen Neigungen der Menschen bedienen, um sie ins Unheil zu stürzen. Es ist also nicht nur der Kampf um die persönliche Heiligkeit, sondern dieser Kampf dient auch unserer Kirche und ihrer Mission in der Welt. Er gehört wesentlich zu unserer Berufung als Christen, wenn wir zum »Heer des Lammes« gehören und an seiner Seite Krieg gegen den Drachen führen wollen.

Es geht ja um unser Herz! Gehört es dem Herrn – gemäß dem ersten Gebot – oder läßt es sich in den Abgrund ziehen? Die Reinheit des Herzens ist ein großer Sieg!

In diesem uns aufgetragenen Kampf wissen wir uns von der Mutter des Herrn unterstützt, deren Unbeflecktes Herz ja den Sieg über die Mächte der Dunkelheit herbeiführen wird. Wir schwachen Menschen können diesen Kampf nur mit der Gnade Gottes bestehen. Gott wird sie uns gewähren und uns in der »Schar des Lammes« (vgl. Apk 14,1-5) unseren Platz zuweisen.

Die »Blume« des heutigen Tages:

Ein reines Herz als Waffe des Lichtes.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/gott-handelt-auf-seinen-wegen/#more-8567

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/6119-2/#more-6119

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