ZU EHREN DER HEILIGEN JEANNE D’ARC: »Jeannes größter Sieg« (XI)  

Was war geschehen mit der heldenhaften Jeanne d’Arc, die so viele Prüfungen bestanden und nie an ihrer Sendung gezweifelt hatte?

Denken wir an den heiligen Petrus. Hat dieser nicht immer wieder Jesus seine Liebe gezeigt? Hatte er nicht alles verlassen, um ihm nachzufolgen? Hatte er nicht gesagt, daß er für Jesus sterben wolle? Und was geschah dann? Wir wissen es. In der Stunde der Gefahr verleugnete er Jesus und bereute es dann bitterlich.

Wie war es bei Jeanne?

Einige Tage nach ihrem Widerruf kam Bischof Cauchon mit einigen Begleitern zu ihr ins Gefängnis.  Er fragte sie, ob sie seit Donnerstag, dem Tag ihres Widerrufs, ihre Stimmen gehört habe.

Jeanne bejahte und sagte: “Gott hat mir durch die heilige Katharina und die heilige Margaretha den großen Jammer meines Verrats wissen lassen, in den ich eingewilligt habe mit meiner Abschwörung. Von diesem Donnerstag hatten mir meine Stimmen angekündigt, was ich tun würde, und das habe ich auch an jenem Tag getan. Sie sagten mir auf dem Gerüst, auf dem ich stand, ich solle dem Prediger unerschrocken antworten. Aber ich nenne diesen Prediger einen falschen Prediger, denn er hat gesagt, ich hätte Dinge getan, die ich nicht begangen habe. Wenn ich sagen würde, Gott hätte mich nicht gesandt, so würde ich mich selbst verdammen. Es ist die Wahrheit, daß Gott mich geschickt hat. Meine Stimmen haben mir seither gesagt, daß ich eine große Schlechtigkeit begangen habe, als ich gestand, ich hätte nicht mit gutem Recht gehandelt. Es war aus Angst vor dem Feuer, daß ich das gesagt habe.

Hier finden wir unsere Jeanne d’Arc wieder. Durch ihre Heiligen wird sie zur rechten Erkenntnis ihres Tuns geführt und sie bereut. Wie der heilige Petrus hatte auch sie aus Angst gehandelt.

Der Bischof will sie daran erinnern, daß sie auf dem Gerüst doch erklärt habe, lügnerisch geprahlt zu haben, daß ihr die Heiligen erschienen seien. Doch Jeanne war mit Hilfe ihrer Stimmen entschlossen, sich wieder entschieden zu ihrer Mission zu bekennen, und antwortete dem Bischof:

“Ich habe es nicht so verstanden. Ich habe nicht vermeint, meinen Erscheinungen, das heißt der heiligen Katharina und der heiligen Margaretha abzuschwören. Alles, was ich getan habe, geschah aus Angst vor dem Feuer. Was ich widerrufen habe, war gegen die Wahrheit. Ich will lieber meine Buße auf einmal tun und sterben, als noch länger die Leiden des Gefängnisses ertragen. Ich habe nie etwas gegen Gott oder den Glauben getan, obwohl Ihr mich gezwungen habt, zu widerrufen. Von dem, was in der Abschwörungsurkunde steht, habe ich nichts verstanden. Ich hatte nicht im Sinn, etwas zu widerrufen, außer wenn es Gott gefalle.

Damit hatte Jeanne ihr Todesurteil gesprochen. Am folgenden Tag versammelte sich das Tribunal. Bischof Cauchon berichtete über das Geschehen und holte die Meinung der Anwesenden ein. Sie bezeichneten Jeanne als rückfällige Ketzerin, die den Tod verdient habe.

Es war am 30. Mai auf dem Marktplatz von Rouen, als Jeanne d’Arc von der kirchlichen Autorität an den weltlichen Arm übergeben wurde. Dieser ließ das Todesurteil vollstrecken. Die Jungfrau von Orléans wurde als Hexe und Ketzerin verbrannt. Die Engländer hatten ihr Ziel erreicht und das Tribunal von Rouen hatte ihnen den Weg dafür bereitet.

Und Jeanne d’Arc? Sie hatte ihren größten Sieg errungen. Nachdem sie ihre Mission der Befreiung Frankreichs physisch nicht bis zum Ende durchführen konnte, vollendete sie diese durch ein heiliges Martyrium. Durch ihren zwischenzeitlichen Widerruf fällt kein Schatten auf sie, denn sie hat nicht nur bereut, sondern sich auch erneut vor ihren Anklägern zur Wahrheit bekannt und somit ihren Widerruf für nichtig erklärt. Jetzt bezeugte sie die Wahrheit im klaren Wissen um das drohende Martyrium des Feuertodes, vor dem sie immer schon Angst gehabt hatte. Manches deutet darauf hin, daß sie zuvor vielleicht noch eine Zeitlang hoffte, befreit zu werden. Zudem deutete sie das von ihren Heiligen verkündete Martyrium als mit dem Leiden im Gefängnis verbunden. Doch jetzt wußte sie genau, was auf sie zukam. Das macht das Bekenntnis zur Wahrheit ihrer Mission noch wertvoller. Die Erfahrung ihrer Schwäche und Verwirrung angesichts des drohenden Todes wird sie in Demut gehalten und befähigt haben, sich noch mehr an Gott zu halten.

So geschah es dann auch! Die Heiligen hatten ihr gesagt, daß sie durch einen großen Sieg befreit werde. Dieser Sieg stand jetzt vor ihr. Er führte durch das Feuer hindurch.

So neigen wir uns vor einer Heiligen, die entscheidend dazu beitrug, daß sich das Geschick ihres geliebten Frankreichs änderte, und die bereit war, dafür ihr Leben zu geben. Gott hat sich durch ihr Leben und Sterben verherrlicht. Es entspricht der Ehre Gottes und der Heiligen, soweit die Gnade dazu geschenkt wird, zu versuchen, ihre Mission im rechten Licht aufleuchten zu lassen. Das war der Versuch meiner Darlegungen. Wenn wir die Heiligen ehren, dann ehren wir Gott, der sie befähigt hat, ihre Aufgabe auf der Erde zu erfüllen.

Am 7. Juli 1456 wurde der schändliche Prozeß, der zur Verurteilung von Jeanne d’Arc geführt hatte, seitens der Kirche für ungültig erklärt. Am 16. Mai 1920 wurde sie von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen.

Nach der Einnahme von Bordeaux durch die Franzosen endete der Hundertjährige Krieg im Jahr 1453 praktisch. Es ist unbestritten, daß durch das Eingreifen der Heiligen die Wende zum späteren Sieg Frankreichs kam.

Morgen werde ich die Serie zu Ehren der heiligen Jeanne d’Arc mit einer Nachbetrachtung beenden.

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