DIE GROSSEN TÄUSCHUNGEN: “Täuschungen in der Kirche”   

Mit dem heutigen Text schließe ich die Reihe über »Die großen Täuschungen« ab. In den vergangenen Betrachtungen habe ich darauf hingewiesen, daß Selbsttäuschungen das Licht der Unterscheidung verdunkeln. Dadurch wird man leichter empfänglich für die Täuschungen, die in der Welt gegenwärtig sind, aber auch für jene, welche in der Kirche wirksam sind.

In der gestrigen Ansprache habe ich außerdem darauf hingewiesen, daß die Auflösung von Selbsttäuschungen nicht nur für uns persönlich und für unser glaubwürdiges christliches Zeugnis wichtig ist, sondern daß wir, wenn wir geistig blind geworden sind, auch nicht gegen die Täuschungen eines Antichristen gewappnet sind. Auch hier verweise ich auf ein Video, das vor wenigen Monaten entstanden ist: https://www.youtube.com/watch?v=kvB8GhaKK38

Aus meiner Sicht ist eine der schwerwiegendsten Täuschungen, die sich in der Kirche breitgemacht haben, die inzwischen immer häufiger formulierte Ansicht, alle Religionen seien ein Weg zu Gott. Dies wurde bereits von Franziskus, dem Vorgänger von Leo XIV., deutlich ausgesprochen. Indirekt kam es auch im »Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen« von Abu Dhabi zur Sprache. Ebenso findet es sich in der Aussage wieder, die Juden hätten einen eigenen Weg zum Heil und sollten deshalb nicht missioniert werden, sowie in anderen Erklärungen.

Eine besonders schmerzhafte öffentliche Verirrung geschah, als man meinte, man könne eine Statue der Pachamama in den vatikanischen Gärten verehren und sie mit Ehrerbietung in den Petersdom tragen.

Offensichtlich wird hier durch einen »Geist der Täuschung« versucht, die Heilsbotschaft Christi zu relativieren und damit die Kirche ihrer tiefsten Identität zu berauben. Gewiß kann und wird Gott Menschen retten, die ohne eigene Schuld nicht genügend mit der Botschaft des Herrn in Berührung kamen. Das hat die Kirche nie anders gelehrt! Gleichzeitig hat sie jedoch betont, daß Jesus in seiner Person das Heil für alle Menschen anbietet, und daß es die Aufgabe der Kirche ist, dies allen Völkern zu verkünden. Es ist der Auftrag des auferstandenen Herrn, dem sich jeder verpflichtet weiß, der den Glauben in Wahrheit angenommen hat (Mt 28,19–20).

In den genannten Beispielen begegnen wir bereits Formen der Apostasie, also des Abfalls vom wahren Glauben. Wenn man der Meinung ist, daß alle Religionen auf derselben Ebene stehen und zu Gott führen, verkündet man nicht mehr das Evangelium und kann sich somit auch nicht auf die Lehre der Kirche berufen. Man ist Opfer von Ideologien, der Anpassung an den Geist der Welt, von Fabeleien und anderen Irrtümern geworden. Wenn man solche irrigen Aussagen übernimmt, führt das zur Selbsttäuschung – wenn nicht diese Irrtümer bereits durch eine Selbsttäuschung begünstigt wurden.

Zum Abschluß dieses kleinen Exkurses in das Thema der Täuschungen, die leider Legion sind, möchte ich eine Schriftstelle zitieren, die vieles von dem, was ich gesagt habe, prägnant beschreibt (im alten Ritus wird sie am Fest des heiligen Irenäus gelesen).

“Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die Heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst. Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht. Weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln. Man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst, so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.”  (2 Tim 3,14–17.4,1–5)

Um für alles gerüstet zu sein, was ist und was kommen wird, gilt es, tief in der Liebe und Wahrheit verankert zu sein. Das bedeutet, das eigene Leben authentisch vor Gott zu führen und sich nichts vorzumachen. Dazu haben wir immer Gelegenheit, denn wenn wir uns verfehlen, wartet ein liebender Vater auf uns. Er kommt uns mit seiner unaussprechlichen Barmherzigkeit entgegen, erwartet jedoch von uns Vertrauen und Aufrichtigkeit. Gott wird uns auf Fehler und Fehlhaltungen aufmerksam machen, wenn wir ihn darum bitten, alles in sein Licht zu tragen. Wir brauchen vor Gott keinerlei Angst zu haben, denn er ist immer auf unser Heil ausgerichtet. Wachsam aber müssen wir uns selbst gegenüber sein, damit wir nicht den schlechten Neigungen unserer menschlichen Natur erliegen, sie rechtfertigen und auf Dauer verdrängen.

Auf weltlicher und kirchlicher Ebene gilt es zu lernen, die Dinge mit den Augen Gottes zu sehen. Normalerweise müßte die Hierarchie den Gläubigen in den aktuellen Bedrohungen mit Rat und Weisung zu Hilfe kommen. Das geschieht leider nicht, weil viele der Verantwortungsträger offensichtlich selbst getäuscht sind und daher Wölfe und Schafe immer weniger zu unterscheiden vermögen.

In dieser Situation ist uns eine Hilfe, was der Apostel Paulus so trefflich zu Timotheus sagt: “Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast!

Das bedeutet für uns, der Heiligen Schrift und der authentischen Lehre der Kirche treu zu bleiben, denn – wie Paulus sagt – “man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden”.

Wenn wir das Gesagte beachten und auf dem Weg der Heiligkeit nicht nachlassen, dann wird uns der Herr in seiner Gnade sehend und hörend durch diese dunklen Zeiten hindurchführen, und wir werden die inneren und äußeren Täuschungen zurückweisen können.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-zurueckweisung-des-evangeliums-und-seine-folgen-3/#more-14721

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