Wie sich die Selbsttäuschung auf das Erkennen und Einstehen für die Wahrheit auswirken kann.
Wie wir in den letzten drei Ansprachen gesehen haben, kann die Selbsttäuschung eine negative Auswirkung auf die Gabe der Unterscheidung der Geister im Allgemeinen haben. Schon im natürlichen Bereich merken wir, daß bei Menschen, die sich selbst überschätzen, ihre Schwächen übergehen, gewisse Begrenzungen nicht annehmen und sich darüber hinwegsetzen, insgesamt der Blick geschwächt ist oder sogar verlorengehen kann, Dinge richtig zu beurteilen. Sie sind durch ein falsches Bild von sich selbst geblendet.
Wenn eine gewisse Blindheit für die rechte Beurteilung der eigenen Person entstanden ist, wird es gleichzeitig schwerer, andere Personen im rechten Licht zu sehen, und Dinge und Umstände, die auf einen zukommen, mit nüchternem und klarem Blick einzuordnen.
Nochmals zur Erinnerung: Wir sind gerufen, uns selbst und auch alles, was uns begegnet, im Licht Gottes zu prüfen und entsprechend zu handeln. Das gilt auch für Ereignisse, die in der Welt geschehen. Im Folgenden möchte ich zwei Beispiele aufführen, die in großen Teilen der Welt selbstverständlich geworden sind oder gefördert werden, die aber vor Gott nicht bestehen können. Tragisch ist, daß die Kirche in ihrer Leitung die Gläubigen immer weniger stützt, den Verwirrungen, die in der Welt existieren, in rechter Weise zu begegnen, und stattdessen teilweise selbst zur Verwirrung beiträgt
Schauen wir auf zwei Beispiele.
Als Katholiken wissen wir, daß die Ehe ein Sakrament ist. Eine neue Ehe kann nur eingegangen werden, wenn der Ehepartner verstorben ist oder die erste Ehe für ungültig erklärt wurde.
Abgesehen von unserer inneren Wahrnehmung wissen wir dies durch das Wort der Heiligen Schrift und durch die Lehre der Kirche. Das gibt uns klare Unterscheidungskriterien, und wir sind gerufen, im Glauben an ihnen festzuhalten. Schwierig wird es, wenn wir in einer Umgebung leben, die diese Wahrheit nicht erkannt hat oder nicht für verbindlich hält – neuerdings bis in katholische Kreise hinein. Das kann sogar die nähere Verwandtschaft oder Bekanntschaft betreffen.
Es bedarf nun großer Klarheit und Entschiedenheit, auch gegen Schwierigkeiten, Bedrängnisse und andere Meinungen am verbindlichen Glauben festzuhalten. Wenn wir jedoch in der Selbsttäuschung leben – und sei es auch nur partiell –, dann sind wir in der Integrität unserer Person geschwächt, denn das Licht der Wahrheit leuchtet nicht mehr richtig für uns auf. An seine Stelle tritt die Verblendung, welche die Person schwächt.
Erinnern wir uns: Anstatt sich der eigenen Sündhaftigkeit und Schwäche bewußt zu sein und von Gott in seiner Barmherzigkeit und Gnade gestärkt zu werden, tritt ein Nebel in unser Leben. Das kann dazu führen, daß wir weder die Kraft noch den Willen haben, an der Wahrheit festzuhalten. Im schlimmsten Fall lassen wir uns dann sogar von unserer Umgebung und dem allgemeinen Zeitgeist täuschen. Wenn wir an weitere Sünden gegen das sechste Gebot denken – beispielsweise an den vorehelichen Verkehr oder die Selbstbefriedigung –, dann ist heutzutage leicht die Gefahr, diese zu bagatellisieren oder gar für »normale Gegebenheiten« zu halten.
Tragisch ist es, wenn in neuerer Zeit sogar in der Kirche die Dinge nicht mehr entsprechend der Heiligen Schrift und der authentischen Lehre eindeutig gelehrt und verkündet werden. In diesem Fall muß man leider davon ausgehen, daß der Geist der Täuschung auch in die Kirche eingezogen ist und jene, die für die Verwirrungen verantwortlich sind, in entsprechender Selbsttäuschung leben.
Dies wird beim Problem der gelebten Homosexualität sehr deutlich. Wie wir wissen, wird in manchen Staaten seit einiger Zeit versucht, die Homosexualität und andere Formen sexueller Betätigung zu fördern. Es geht so weit, daß es »homosexuelle Trauungen« gibt und daß solche »Paare« Kinder adoptieren können und vieles mehr. Inzwischen ist in manchen Ländern, besonders in ehemals christlich geprägten Ländern, eine Atmosphäre entstanden, in der die Rechte der Homosexuellen als eine Art Freiheitskampf betrachtet werden. Jede Äußerung, die das in Frage stellt, erfährt zunehmend eine gesellschaftliche Ächtung.
Nun erleben wir nicht selten, daß die Verantwortlichen der katholischen Kirche nicht mehr uneingeschränkt und in aller Deutlichkeit an der biblischen Wahrheit und somit an ihrer eigenen Lehre festhalten. Unter der Idee der »Integration aller Menschen in die Kirche« versäumt man es, homosexuell praktizierende Menschen dazu anzuleiten, ihre sexuellen Neigungen unter die Herrschaft Gottes zu stellen und entsprechend seiner Gebote zu leben. Seitens der Hierarchie sind sogar Bemühungen erkennbar, die praktizierte Homosexualität als legitime Form der sexuellen Betätigung anzusehen.
Das ist jedoch eine große Täuschung, denn die Heilige Schrift und die Lehre der Kirche sagen eindeutig, daß die homosexuelle Praxis nicht dem Willen Gottes entspricht. So richtig es ist, daß man Menschen mit solchen Neigungen in christlicher Liebe begegnen soll und sie weder verächtlich behandeln noch in abfälliger Weise über sie sprechen soll, so verheerend ist es jedoch, eine Praxis, die gegen Gottes Willen steht, zu relativieren oder gar zu rechtfertigen. Das wäre ein großes Unrecht gegen die Wahrheit und damit gegen Gott, sowie gegen den Menschen selbst, der in diesen Neigungen lebt.
Welche Verwirrung!
Das Thema wird morgen fortgesetzt.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/gott-bleibt-sich-treu/#more-4283
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/arbeiter-fuer-den-weinberg-4/#more-17864
