Mit Beginn des Neuen Jahres 2026 möchte ich wieder ein Buch aus der Heiligen Schrift auslegen. Diesmal habe ich den Brief des Apostels Jakobus ausgewählt.
Parallel dazu bieten wir am Ende des Textes jeweils Links zur Betrachtung der Tagestexte des Novus Ordo aus den vergangenen Jahren an.
Jak 1,1-18
Seid voll Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet. Ihr wißt, daß die Prüfung eures Glaubens Ausdauer bewirkt. Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten Werk führen; denn so werdet ihr vollendet und untadelig sein, es wird euch nichts mehr fehlen. Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf. Wer bittet, soll aber voll Glauben bitten und nicht zweifeln; denn wer zweifelt, ist wie eine Welle, die vom Wind im Meer hin und her getrieben wird. Ein solcher Mensch bilde sich nicht ein, dass er vom Herrn etwas erhalten wird: Er ist ein Mann mit zwei Seelen, unbeständig auf all seinen Wegen. Der Bruder, der in niederem Stand lebt, rühme sich seiner hohen Würde, der Reiche aber seiner Niedrigkeit; denn er wird dahinschwinden wie die Blume im Gras. Die Sonne geht auf und ihre Hitze versengt das Gras; die Blume verwelkt und ihre Pracht vergeht. So wird auch der Reiche vergehen mit allem, was er unternimmt. Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben. Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor. Laßt euch nicht irreführen, meine geliebten Brüder; jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.
Sehr rasch kommt der Heilige Jakobus auf ein wichtiges, für uns zunächst jedoch leidiges Thema zu sprechen. Es mag überraschen, daß er im Zusammenhang mit Versuchungen, die uns durchaus sehr bedrängen können, von einer Freude spricht, die wir haben sollen, wenn wir sie erleiden. Es wird klar, daß es sich hierbei nicht um eine natürliche Freude handeln kann, denn welcher Gläubige möchte schon gerne versucht werden? Nicht selten muß man all seine Kraft aufwenden, um Versuchungen abzuwehren. Es gibt auch solche, die nicht leicht zu erkennen sind, andere die sich fast gewohnheitsmäßig eine Art Recht im Leben des Gläubigen erworben haben, sind zu einer schweren Bürde geworden und müssen immer wieder zur heiligen Beichte getragen werden.
Der Blick des Apostels richtet sich jedoch bei einer solchen Aussage auf die Frucht, die durch den Kampf mit den Versuchungen entsteht, und somit auf den Herrn, der diese Versuchungen zuläßt. Unser himmlischer Vater, der immer das Heil der Seinen im Blick hat, will uns durch den Kampf mit den Versuchungen stärken. Jakobus spricht von der Ausdauer, die wir uns in diesem Kampf erwerben, und betrachtet die Versuchungen als Prüfungen, die Gott zuläßt, damit wir geistlich wachsen. Es sei hinzugefügt, daß wir uns auf diesem Weg auch Verdienste erwerben können.
Und in der Tat: Jede zurückgewiesene Versuchung stärkt uns und schwächt auch jene Kräfte, die uns versuchen und immer unsere Schwächen gegen uns ausnutzen wollen. Aus dieser Perspektive kann man die Aussage verstehen, daß wir uns freuen können, wenn uns Versuchungen ereilen. Es ist die Freude am Herrn, der solche Versuchungen in den Dienst nimmt und sie uns gewissermaßen zumutet, um uns zu formen. Also gilt es, diese Herausforderungen anzunehmen.
Ein solcher Blick auf den tieferen Sinn der Versuchungen ist wichtig, denn er befreit uns aus einer gewissen Gefangenschaft, in die die Versuchungen uns führen wollen. Wir können nach der Hand Gottes greifen, die im Dunkel der Versuchung immer für uns da ist. Unser konsequenter Widerstand wird nun nach dem Plan des Herrn in den Weg unserer Heiligung hineingenommen, denn wie es im Text heißt:
“Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten Werk führen; denn so werdet ihr vollendet und untadelig sein, es wird euch nichts mehr fehlen.”
Und später:
“Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben.”
Der Apostel macht uns auch klar, daß es nicht Gott ist, der in Versuchung führt, sondern wir sprechen von Zulassungen Gottes. Die Versuchungen kommen aus uns selbst, d.h. aus der Verlockung durch unsere ungeordnete und ungezügelte Begierlichkeit.
Diese gilt es zu bewältigen, worin sie auch immer bestehen mag, denn ihr darf man keinen freien Lauf lassen. Jakobus schildert, was dann geschieht. Schließlich wird nämlich die Sünde reif und bringt somit den geistigen Tod hervor.
Wir sind daher zur großen Wachsamkeit aufgerufen, den Versuchungen schon im Inneren, vom ersten Moment an, wenn sie zu locken beginnen, durch entschiedenes Gebet zu widerstehen, indem wir den Namen des Herrn anrufen. Je rascher das geschieht, desto leichter können wir im Herrn als Sieger aus dem Kampf hervorgehen. Auch soll uns die Wachsamkeit lehren, unsere schwachen Stellen zu kennen, um sie durch Gebet zu schützen. Wir dürfen uns nicht Situationen ausliefern, die uns zur Sünde verführen könnten, sondern müssen solche bewußt meiden.
Betrachtung zur Tageslesung: https://elijamission.net/wahre-gerechtigkeit-2/#more-13337
Betrachtung zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/er-ist-der-sohn-gottes-3/#more-16171

