ZU EHREN DER HEILIGEN JEANNE D’ARC (VII): »Jeanne wird gefangengenommen«  

Nach der Krönung Karls VII. in Reims begannen Gespräche zwischen dem König und den Burgundern. Jeanne selbst hatte noch am Tag der Krönung dem Herzog von Burgund, Philipp dem Guten, geschrieben, und im Namen Gottes gebeten, “daß der König von Frankreich und Ihr einen guten und festen Frieden schließt, der lange dauern soll. Vergebt einander mit aufrichtigem Herzen vollständig als gläubige Christen.

Ein wahrer Friede war ihr Ernst, wenngleich sie den Herzog auch warnte, mit Waffengewalt gegen den König vorzugehen. Sie wollte eine christliche Versöhnung herbeiführen und dabei helfen, die Franzosen zu einen. Denn nach der verheerenden Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Azincourt (1415) kam es zwischen den Burgundern und den Engländern zum anglo-burgundischen Bündnis (1420).

In dem Brief an den Herzog von Burgund zeigte sich noch einmal die von Gott geschenkte Autorität Jeannes. Sie wollte Frieden schließen, einen guten und festen, der den gemeinsamen Glauben als Grundlage hat. Gleichzeitig war sie sich jedoch auch der Stärke der französischen Armee bewußt, die durch ihr Eingreifen die Oberhand im Krieg gewonnen hatte. Das wäre die Verhandlungsposition gewesen, die es brauchte, um das Werk unmittelbar weiterzuführen, das Gott durch sie begonnen hatte. Der Sieg gegen die Engländer mit der folgenden Krönung Karls VII. war ein deutliches Zeichen, das alle hätten lesen können, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Doch es kam anders. Es gab Verhandlungen mit den Sendboten der Burgunder, von denen Jeanne jedoch bewußt ausgeschlossen wurde.

Hier kam der entscheidende Bruch zustande. Die vorher erkennbare Führung durch Gott über Jeanne und den König im Einklang mit dem Klerus, wurde nicht mehr weitergeführt. Wenn man von Verrat sprechen möchte, dann findet er hier objektiv statt und verfestigt sich in den folgenden Entscheidungen weiter.

Zunächst ist es ein Verrat an Gottes Eingreifen selbst. Gott hatte sich des Geschicks von Frankreich auf dem Weg mit Jeanne d’Arc erbarmt. Nach der Krönung wurde der geistlichen Ordnung des Eingreifens Gottes nicht mehr entsprochen, der man sich zuvor untergeordnet hatte, sodaß sich der Wille Gottes aktiv verwirklichen konnte. Nach der Krönung schloß man den Boten Gottes aus, der zuvor über den Engel und die Heiligen jene Weisungen gebracht hatte, die – wenn sie befolgt wurden – die große Wende in diesem Krieg zugunsten der Franzosen herbeigeführt hatte. Vielleicht glaubte man, daß von nun an eher übliche Diplomatie die weiteren Wege ebnen sollte, und verkannte dabei die Autorität und Vollmacht, welche die Jungfrau von Gott für das Geschick Frankreichs erhalten hatte.

Ihr Auftrag war mit der Krönung des Königs noch nicht zu Ende. Viele Städte, darunter auch Paris, waren noch unter anglo-burgundischer Kontrolle. Es galt weiterhin, die Gunst der von Gott geschenkten Stunde zu nutzen. Doch ohne die aktive Einbindung der Jungfrau in alle weiteren Schritte war das zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Ihr bewußter Ausschluß mußte dazu führen, daß der begonnene Weg so nicht mehr weitergeführt werden konnte. Von hier nahmen alle nachfolgenden Ereignisse ihren Ausgang.

Nach der Krönung drängten der König und seine Berater auf eine friedliche Einigung mit Philipp dem Guten. Doch schätzten die Königlichen, den Burgunder nicht richtig ein, was sie erst viel später realisierten. Dieser war weniger an einer für alle guten und friedlichen Lösung interessiert, sondern mehr an seinem eigenen Machterhalt und seiner Machterweiterung.  Zudem gab er die Verbindung mit den Engländern nicht auf, die seinen eigenen Ansprüchen diente. Später wurde er vom englischen König in eine hohe Stellung erhoben, gar als zweiter Mann für Frankreich.

Ohne den Rat von Jeanne und somit ohne die übernatürliche Hilfe ließ sich Karl VII. auf ein nicht aufrichtiges Versprechen der Burgunder ein. Das brachte monatelange Verhandlungen mit sich, beispielsweise über die friedliche Übergabe von Paris.

Die Gunst der Stunde verstrich und die königliche Armee war wie gelähmt. Im Zuge der vorherigen Siege des Königs und wohl auch durch dessen Krönung waren viele Städte bereit, sich dem König freiwillig unterzuordnen. Doch die widersprüchliche und unentschlossene Politik des Königs nutzte diese Situation nicht. Zwar gab es in der Folge einige Städte, die sich dem König unterwarfen, und die Anwesenheit von Jeanne bei den Truppen war dabei entscheidend hilfreich, doch das große Ziel, die Hauptstadt Paris für den König einzunehmen, wurde nicht erreicht.

Ein Angriff auf Paris stand in der Logik der Sache und wurde von der siegreichen königlichen Armee gewollt. Die Stadt stand unter anglo-burgundischer Herrschaft, und diese zu besiegen und die Stadt dem König zu übergeben, hätte seinen Anspruch auf das ganze Land noch mehr gefestigt. Selbst in der Hauptstadt rechnete man mit dem Angriff der Königlichen. Doch das Zögern des Königs bewirkte, daß die Stadt besser befestigt wurde.

Am 8. September 1429 griffen die königlichen Truppen an. Jeanne war wie immer ganz vorne und stärkte die Soldaten. Doch die Gegenwehr war stark und der Kampf dauerte bis zum Abend. Jeanne wurde verwundet. Sie wollte wie immer weiterkämpfen und sagte, daß Paris nicht eingenommen würde. Gegen ihren Willen nahm sie jedoch ein Sire Gaucourt und andere mit sich und brachten sie zu dem Platz, wo der Rest der königlichen Armee lagerte. Sie war sehr bestürzt darüber. Sie hoffte dann, am nächsten Tag den Angriff weiter durchführen zu können. Doch sie erhielt nicht die Erlaubnis des Königs. Paris wurde ihr in der Folge als Niederlage angerechnet und ihre Feinde glaubten sicher, daß nun der »Zauber dieser Jungfrau« gebrochen sei. Nicht sehr viel später löste der König die siegreiche Armee sogar auf, und so schrieb Cagny: “Damit war ihr Wille und der Wille der königlichen Armee gebrochen.

Es ist nicht mehr nötig, weitere kleinere oder größere Kämpfe zu benennen, seien sie erfolgreich oder mißlungen. Jeanne selbst wußte durch ihre Stimmen, daß sie in Gefangenschaft geraten würde. Die Zeit ihrer großen irdischen Siege, mit denen sie ihrem Land gedient hat, war vorbei. Nun wurde sie gerufen, ihre Mission auf eine andere Weise zu erfüllen.

Jeanne d’Arc wurde am 23. Mai 1430 vor Compiègne von John von Luxembourg gefangengenommen und fiel somit in die Hände ihrer Feinde.

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