Tag: »Jesu Umgang mit der Sünderin«      

Neben der langen Lesung (Dan 13,1–9.15–17.19–30.33–62), die uns die Errettung Susannas, der Frau des Joakim, aus der Hand zweier verwerflicher Richter erzählt, die sie lügnerisch eines sittlichen Vergehens beschuldigten, schildert uns das heutige Evangelium eine ungemein lehrreiche Begebenheit (Joh 8,1–11).

Wie geht Jesus mit der Schuld einer Frau um, die Ehebruch begangen hat? Die Schriftgelehrten und Pharisäer führten eine solche Frau zu Jesus und sagten: “Meister, diese Frau ist beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt worden. Nun hat uns Mose im Gesetz befohlen, eine solche Frau zu steinigen. Was sagst Du dazu?(Joh 8,4–5)

Offensichtlich ging es den Anklägern nicht darum, eine Weisung von Jesus zu bekommen, sondern sie wollten einen Grund zur Anklage gegen ihn finden. Trotzdem schenkte Jesus uns eine tiefgehende Weisung für eine solche Situation. Zunächst gab er ihnen keine Antwort, dann aber kommt jene wegweisende Antwort, die tief in uns eindringen soll und unser ganzes Leben bestimmen kann: “Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!(Joh 8,7b). Dies sagt er zu jenen Pharisäern und Schriftgelehrten, die dastanden und eine Antwort von ihm erheischten. Einer nach dem anderen, angefangen bei den Ältesten, ging nach diesem Wort des Herrn fort. Niemand erhob einen Stein!

Halten wir fest: Ehebruch ist eine schwere Schuld – und das war nicht nur in Zeiten des Alten Bundes so. “Du sollst nicht die Ehe brechen(Ex 20,14) ist eines der zehn heiligen Gebote Gottes. Wenn das in der modernen Gesellschaft nicht mehr so gesehen wird, dann ist dies ein Zeichen dafür, daß uns die Bindung an Gott zunehmend verlorengeht, abgesehen von den schweren seelischen Verletzungen, welche eine Verletzung der ehelichen Treue hervorruft.

Jesus war sich dessen bewußt. Doch er kam nicht als Richter, sondern als Retter der Menschen. Er will sie aus ihrer Schuld erretten und zu einem Leben in Übereinstimmung mit Gott führen. Das ist der Urgrund seiner Milde gegenüber dieser Frau. Der weitere Verlauf der Szene macht dies deutlich. Nachdem alle weggegangen waren, heißt es im Evangelium: “Nun richtete sich Jesus auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind deine Ankläger? Hat dich keiner verurteilt? Sie sprach: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: So will auch ich dich nicht verurteilen. Gehe hin und sündige fortan nicht mehr!(Joh 8,10–11).

Ohne das Vergehen der Frau zu relativieren und somit die Objektivität ihrer Sünde in Frage zu stellen, hat Jesus uns sehr deutlich gezeigt, wie wir mit der Schuld anderer Menschen umgehen sollen. Seine Aufforderung an die Frau, nicht mehr zu sündigen, bewahrt davor, eine Art falscher Barmherzigkeit zu praktizieren, die nicht mehr die unbedingte Besserung des Menschen in den Blick nimmt. Dies kann sogar dazu führen, daß man denkt, man müsse den Menschen so lassen, wie er ist, und er könne gar in Gemeinschaft mit Gott leben, ohne sich von einem sündhaften Verhalten zu trennen.

Dieses Verhalten des Herrn bewahrt uns vor zwei Gefahren, die zu einem falschen Umgang mit der Schuld anderer Menschen führen:

Die eine Gefahr besteht darin, auf die betreffende Person »Steine zu werfen«, ihre Schuld immer wieder zu betonen, sie überall herauszustellen und somit zu ihrem Richter zu werden. Das kann für sehr gesetzlich bestimmte Menschen zu einer Versuchung werden. Sie sehen nur das äußere Vergehen, für das der Mensch aus ihrer Sicht zur Rechenschaft gezogen werden muß. Leicht verlieren sie aus dem Blick, daß es sich bei einem Sünder um einen Menschen handelt, den Gott nicht strafen, sondern aus seiner Not retten will.

Um dieser Gefahr eines sich verhärtenden Herzens nicht zu erliegen, vermag es zu helfen, das Wort Jesu genau zu hören: “Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!(Joh 8,7b). Läßt man sich darauf ein, dann wird man bei einer gesunden Selbsterkenntnis leicht merken, daß das eigene Leben nicht so tadellos ist – wie es der Herr auch gegenüber den Pharisäern so wunderbar entlarvend gesagt hat. Das wird uns umsichtiger und milder machen. Wir versuchen dann, die Situation mit den Augen und dem Herzen des Herrn zu betrachten.

Die zweite Gefahr, die ich oben schon kurz angesprochen habe, ist die der Relativierung. Eine solche Tendenz breitet sich derzeit auch in der Kirche recht intensiv aus. Man meint, barmherzig zu sein, wenn man sich besonders in die Lage des Sünders versetzt, Mitleid und Verständnis für ihn hat und sich in gewisser Weise mit ihm solidarisiert. Doch leicht entsteht die Gefahr, daß man die transzendente Dimension hintanstellt, bis sie sogar vergessen werden kann und in die Bedeutungslosigkeit absinkt. Dann ist nicht mehr die gestörte Beziehung zu Gott das große Übel, das mit Gottes Gnade überwunden werden soll. Damit verschiebt sich die Perspektive. Mit der Zeit wagt man es dann nicht mehr, die Sünde als Sünde zu bezeichnen. Die Verwirrung zieht ein und breitet sich aus!

Das Wort des Herrn ist hier das Heilmittel: “Gehe hin und sündige nicht mehr!

Der Herr entläßt die Frau also nicht, ohne ihr den wahren Weg zum Frieden zu weisen. Sie muß in den Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes zurückkehren und kann ihren falschen Weg nicht fortsetzen.

Eine »Barmherzigkeit«, die das nicht mehr tut, beläßt den Menschen in seiner Sünde und täuscht ihn.

Als »Blume« des heutigen Tages bitten wir den Herrn, daß wir lernen, mit sündigen Menschen so umzugehen, wie er es tut.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/liebe-will-ich-nicht-schlachtopfer/#more-6147

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/8599-2/#more-8599

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