Wer Augen hat zu sehen, wird ohne Zweifel erkennen können, wie sehr ein anderer Geist Einfluß auf die Hierarchie der Kirche nimmt und somit auch auf die Gläubigen, die sich ihr anvertrauen. So richtig es ist, wenn die Schafe ihren Hirten folgen, so verkehrt ist es allerdings, wenn die Hirten die Herde nicht mehr den gottgewiesenen Weg anleiten. Das jedoch ist leider an entscheidenden Punkten festzustellen.
Eine erste Form des Widerstandes, der sich nicht etwa gegen die Personen der verirrten Hirten, sondern gegen den Irrtum und die dahinterstehenden gottfeindlichen Geister richtet, ist das Festhalten an der authentischen Überlieferung der Kirche. Das bedeutet, daß man die modernistischen Entgleisungen weder bejaht noch sich von ihnen beeinflussen läßt. Dazu braucht es allerdings Wachsamkeit, denn der Geist des Relativismus breitet sich in der Kirche nicht erst seit Franziskus aus. Er wirkt verstärkt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis zur Unerträglichkeit nach dem Pontifikat von Papst Benedikt XVI.
Gestern warfen wir einen Blick auf die Moral der Kirche, die sich nicht geändert hat und sich im Herzen der Kirche auch nicht ändern wird! Es werden lediglich Versuche unternommen, sie einem modernistischen Lebensgefühl anzupassen und so mit der gegenwärtigen politischen Wirklichkeit in einen größeren Einklang zu bringen – zum Verderben von Kirche und Welt! Zum Verderben der Kirche geschieht dies, weil sie dadurch von innen geschwächt wird und das Salz schal wird. Zum Verderben der Welt führt es, weil diese ihr Korrektiv verliert und sich nicht mehr mit den Aussagen der Kirche auseinandersetzen muß, da diese inzwischen oft in demselben Geist spricht und handelt wie sie selbst.
Schauen wir auf weitere Kernanliegen.
Die Mission der Kirche hat sich nicht geändert. Nach wie vor gilt es, allen Menschen das Evangelium zu verkünden (vgl. Mt 28,19–20), denn ohne unseren Herrn Jesus kann niemand gerettet werden. “Niemand kommt zum Vater, außer durch mich” (Joh 14,6b). Jede Form von Dialog und ökumenischer Bemühung ist nur dann authentisch, wenn dieser klaren Weisung Jesu zur Mission entsprochen wird. Es kann nicht das Ziel der Mission sein, daß die Moslems bessere Moslems und die Hindus bessere Hindus werden usw., sondern daß sie dem Heilswillen Gottes begegnen, der sich im Kommen seines Sohnes offenbart hat (vgl. Joh 3,16). Niemand kann dies ändern, weder Papst noch Bischöfe, noch sonst irgendein Geschöpf.
Wer daran festhält, leistet aktiven Widerstand gegen die Mächte der Verwirrung, welche die Sendung Jesu und der Kirche verfälschen wollen, um sie in ein allgemein religiöses Gefüge einzubinden und sie somit ihrer heilsnotwendigen Dimension zu berauben. Der Heilige Paulus beschreibt uns im Epheserbrief die Waffenrüstung Gottes (vgl. Eph 6,11 –18). Die Verkündigung des Evangeliums ist eine geistliche Angriffswaffe, denn sie entreißt den Mächten des Bösen ihre Macht über die Seelen und verkündet den Sieg des Herrn.
Der Weg der Heiligkeit hat sich nicht geändert. Zunächst gilt es, die Liebe Gottes aufzunehmen und darauf zu antworten, in die innige Beziehung mit Gott einzutreten und sie zu pflegen. Dazu hat Gott uns sein Wort, das Gebet, die Sakramente und vieles andere geschenkt.
Die Gottesliebe steht an erster Stelle, und aus ihr entspringt die authentische Nächstenliebe. Es ist wichtig, daß wir diese Hierarchie beachten. Dies ist auch der wesentlichste Inhalt der Verkündigung, denn es geht um das Heil der Seelen, welche der Erlösung harren und die Liebe unseres Vaters kennenlernen sollen. Alle anderen Themen sind nachzuordnen. Nicht die Weltverbesserung kann im Vordergrund kirchlicher Sendung stehen, sondern immer die Offenbarung der Gottesliebe durch unseren Herrn Jesus Christus.
“Ich habe ihnen Deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der Du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.” (Joh 17,26)
Wer im Stand der Gnade lebt, auf die gesunde Lehre achtet, sich der unverfälschten Moral unterordnet und der Mission im persönlichen Leben so dient, wie Jesus es wollte, sowie nach Heiligkeit strebt, besitzt bereits eine stabile Grundausrüstung, um den antichristlichen Kräften zu widerstehen und sich von ihnen nicht blenden zu lassen.
Hinzu kommen als Hilfe bestimmte Gebete, die wir nicht vernachlässigen sollten. Dazu gehören – neben dem Stundengebet und der Teilnahme an der Heiligen Messe sowie dem regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes – nach Möglichkeit das tägliche Rosenkranzgebet, das Gebet zum Erzengel Michael, die häufige Praxis des Herzensgebets, die Schriftlesung, hilfreiche geistliche Literatur, entsprechende Predigten bzw. Vorträge, Exerzitien sowie die Praxis der geistigen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit.
Es gibt also genug Möglichkeiten, den Glauben zu pflegen und uns in Christus zu befestigen. All dies ist uns angeboten, um mit der Gnade und dem Schutz, den Gott uns schenkt, mitzuwirken.
In den zwei weiteren Ansprachen zu diesem Thema werden wir noch etwas über den notwendigen geistlichen Kampf hören sowie abschließende Betrachtungen.
