EINE STUNDE GEDULD

“Eine Stunde Geduld ist mehr wert als mehrere Tage Fasten.”  (Heiliger Pfarrer von Ars)

Warum ist Geduld so wertvoll, daß der heilige Pfarrer von Ars, der selbst außerordentlich asketisch lebte, sie so hochschätzte?

Die Geduld zügelt gewissermaßen unser ganzes Wesen, sowohl unseren Geist als auch unsere Gefühle. Das ist nicht zu verwechseln mit einer gewissen Trägheit oder Entscheidungsunfähigkeit. Es ist das Wartenlernen auf den richtigen Zeitpunkt und wird so zu einem Werk des Geistes, das der Liebe entspringt, wie wir es besonders bei unserem himmlischen Vater wahrnehmen. Wie oft hat unser Vater Geduld mit uns und mit der ganzen Menschheit! Sie entspringt seiner unvergleichlichen Liebe, mit der er seine Geschöpfe an sich ziehen möchte.

Das Fasten ist eine großartige und wichtige asketische Übung, welche unsere Sinne zügelt und im geistlichen Kampf – gerade gegen die Mächte der Finsternis – zu einer wichtigen Waffe wird. Dies wird nicht weggenommen, und gerade der Heilige, der diese Worte spricht, wird sich hüten, das zu tun.  Das Fasten um des Reiches Gottes willen zu praktizieren, ist ein Akt der Liebe und Verantwortung.

Doch ist das Fasten nur eine Übung mit eingeschränktem Wert, während die Geduld eine hohe Kunst des Geistes ist. Sie ist verwandt mit der Langmut und auch mit der Nachsicht, die unser himmlischer Vater mit uns schwachen Menschen hat. Sowohl die Selbstbeherrschung als auch die Sanftmut schmücken die Geduld mit ihrer Schönheit!

“Die Geduld erreicht alles!” ist ein gutes Wort, das seinen tiefsten Sinn dann erschließt, wenn es um das Warten auf Gott geht. Geduld kann man einüben, indem man sein unruhiges Vorwärtsdrängen zügelt, auf das ungeordnete Reden achtet, seine Worte mit Überlegung spricht und das Warten auf den Herrn und den rechten Moment lernt.