In den letzten Wochen habe ich in den täglichen Ansprachen zwei sehr ernste Themen zur Sprache gebracht. Zunächst ging es um die Selbsttäuschung und um allgemeine Täuschungen, welche sich in der Welt und auch in der Kirche manifestiert haben. Diese Themen sind mit dem Blick auf das Kommen eines konkreten Antichristen gewissermaßen weitergeführt worden, dessen Geist aus meiner Sicht bereits massiv wirkt, um seine Machtübernahme vorzubereiten.
Es ist klar, daß es sich bei dem »Geist des Antichristen« um Lucifer handelt, der die Menschen täuschen möchte, um sein Ziel zu erreichen: die Stelle Gottes bei den Menschen einzunehmen und damit seine Auflehnung gegen Gott in seiner Verblendung zu krönen.
Der gefallene Engel weiß sehr genau, daß Gott die Menschen liebt und eine herrliche Zukunft für sie bereitet hat. So will er die Menschen auf seine Seite ziehen, sie täuschen und um ihr ewiges Heil bringen, denn in ihm wirkt keine Kraft der Liebe. Sein Wesen hat sich pervertiert. Statt im Auftrag des Heiligen Gottes als Lichtbringer für die Menschen zu wirken und dessen Herrlichkeit zu verkünden, möchte er in seinem Wahn sein eigenes Reich auf der Erde errichten. Genau das soll durch den Antichristen geschehen. Dazu braucht er einen Menschen, der vollkommen unter seiner Führung steht. Es wird eine Perversion der Herrschaft Christi sein. Christus kam, um den Willen des Vaters zu tun und das Reich seiner Liebe aufzurichten. Jener hingegen kommt im Auftrag des Satans und steht im Dienst dessen, der ein Reich der Willkür und Täuschung manifestieren will.
Wer wird das merken? Viele Menschen werden es nicht merken. Sie werden das Reich des Antichristen fast blindlings und wie selbstverständlich annehmen, wenn er sich geschickt als Friedensbringer und Wohltäter der Menschen tarnt, ihnen Freiheit verspricht und sie zu faszinieren weiß.
In der Regel werden nur jene, die den Geist der Unterscheidung besitzen und fest in Gott verankert sind, die Täuschungen und Machenschaften des Antichristen erkennen können. So wie der Apostel vor dem Antichristen und vor vielen Antichristen gewarnt hat (1 Joh 2,18), so müßte dies auch heute in erster Linie durch die Hirten der Kirche geschehen. Die Heilige Schrift und die authentische Lehre der Kirche reichen aus, um im Geist der Unterscheidung den antichristlichen Geist zu identifizieren und vor ihm zu warnen. Hier aber begegnen wir einem großen Problem. Solche Warnungen bleiben nämlich in der Regel heutzutage aus.
In der Politik werden wir kaum noch einer Person begegnen, die sich tief im Glauben verwurzelt den antichristlichen Strömungen entgegenstellt. Viele haben sich diese Strömungen zu eigen gemacht und betreiben ihre Politik unter diesem Einfluß. Wir können es so sagen, wie es im Johannesbrief steht: “Wir wissen: Wir sind aus Gott, aber die ganze Welt steht unter der Macht des Bösen” (1 Joh 5,19).
Wo aber bleibt die prophetische Kraft der Kirche in ihren Hirten, die das Volk Gottes warnen sollen? Es gibt sehr wenig Stimmen und seit dem Pontifikat von Franziskus sind die Stimmen jener, welche die Schafe warnen, selten zu hören und häufig verstummt. Die fortschreitende Verweltlichung der Kirche und ihre innere Schwächung durch Irrtümer haben nicht nur die so notwendigen hirtlichen Warnungen verstummen lassen, sondern wir müssen leider auf vielen Ebenen von einer Kooperation mit dem antichristlichen Geist sprechen. Um an ein Wort, das uns Don Gobbi vermittelt hat, zu erinnern, ist die »kirchliche Freimaurerei« bis in die Hierarchie eingedrungen. Mögen manche der führenden Männer der Kirche vielleicht nicht unbedingt eingetragene Mitglieder dieser Vereinigung sein, so entsprechen sie doch mit ihrer modernistischen Ausrichtung dem Geist und den Zielen dieser Gruppierung oder ähnlicher geistiger Strömungen, die vom selben gottfeindlichen Geist inspiriert sind.
Was kann man also erwarten?
Leo XIV. setzt den unheilvollen Weg von Franziskus fort und macht ihn so für die Kirche wie selbstverständlich. Das ist jedoch ein Irrweg, der den Weg für den Antichristen öffnet. Manche Gläubige merken zwar, daß die Kirche auf die schiefe Bahn geraten ist, weichen aber der offensichtlichen Tatsache aus, wer dafür letzten Endes die Verantwortung trägt. Darüber kann man jedoch nicht einfach hinwegsehen, sonst läuft man Gefahr, den »Elefanten im Raum« – wie eine Redewendung, die aus dem Russischen kommt, eine solche Situation bezeichnet –, nicht zu benennen. Das aber führt dazu, daß man aus den Erkenntnissen keine Konsequenzen zieht.
Ich habe diese Themen in den letzten beiden Serien behandelt, um den Gläubigen Unterscheidungskriterien zu geben und sie auf die bereits vorhandene Gefahr aufmerksam zu machen, aber auch auf die Gefahren, die auf jene zukommen können, die dem Herrn treu bleiben wollen. Da aus meiner Sicht das Kommen des Antichristen sehr nahe sein kann, werde ich versuchen, den Gläubigen Hilfestellungen zu reichen, solange es mir vom Herrn gegeben ist. Ich habe zu diesem Thema einiges veröffentlicht und verweise in einer Fußnote auf die entsprechenden Links[1].
Auf jeden Fall gilt es, dem Herrn und seiner Kirche treu zu bleiben! Wenn sich der »Ausbund der Bosheit« auf der Erde zeigt, gilt es, ihm mit geistlichen Mitteln zu widerstehen.
Auf diese ernsten, aber doch notwendigen Themen, folgt nun eine Novene zu Gott Vater. Er wird uns sicherlich an seiner Hand durch die Tribulationen dieser Zeit führen, wenn wir ihm folgen.
[1] Ich habe mehrere Vorträge und Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Wer sich näher damit befassen möchte, kann u.a. folgende Links aufrufen:
