Tag: »Vergebungsbereitschaft«      

Nach dem kleinen Exkurs über einen Weg zur tieferen Herzensbekehrung, kehre ich wieder zu den Texten im Alten Ritus zurück, die uns auf diesem Fastenweg begleiten. Zuvor möchte ich noch ein Herzensanliegen mit Euch teilen. Es ist ein Gebet, welches ich geschrieben habe, um der Bemühung um den wahren Frieden noch einen äußeren Ausdruck zu geben. Ich wäre dankbar, wenn viele Menschen, die meine Ansprachen hören, sich dem Gebet anschließen und es mit uns beten würden.

Geliebter Vater, wir bitten um den Frieden,
der aus Deinem Herzen kommt,
die Herzen der Menschen berührt und verwandelt,
sodaß sich Dein Reich auf der ganzen Erde ausbreite.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn! Amen.

Vom Text der heutigen Lesungen möchte ich eine kurze, aber sehr bedeutsame Passage aus dem Evangelium (Mt 18,15–22) auswählen:

“Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muß ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal (Mt 18,21–22).

Hier wird das große Wunder der Vergebungsbereitschaft Gottes angesprochen, von dem wir alle leben und ohne das wir unser ewiges Ziel nicht erreichen. Eigentlich ist es unvorstellbar, wie unser himmlischer Vater bereit ist, den Menschen ihre Schuld zu vergeben – und es gibt ja furchtbare Abgründe von Schuld! Nicht zuletzt ist es das Töten des Sohnes Gottes, das er zu unserem Heil auf sich nimmt.

Im Büchlein von Madre Eugenia, das ich sehr zum Lesen und zur Meditation empfehle, schenkt uns Gott einen tiefen Einblick in sein Herz. Da heißt es:

“…Meine Liebe zu meinen Kindern war keineswegs erloschen. Als ich bemerken mußte, daß weder die Patriarchen noch die Propheten imstande waren, mich bei den Menschen bekanntzumachen, und es ihnen nicht gelungen war, die Menschen dazu zu bewegen, mich zu lieben, beschloß ich, selbst zu kommen. Doch wie sollte ich es machen? Wie sollte ich mich unter die Menschen begeben? Es gab keine andere Möglichkeit, als selbst zu kommen, in der zweiten Person meiner Gottheit. Werden mich die Menschen dabei erkennen? Werden sie auf mich hören?

Für mich gibt es nichts Verborgenes in der Zukunft. Deshalb beantwortete ich mir die beiden Fragen selbst: Die Menschen werden meine Anwesenheit nicht zur Kenntnis nehmen, auch wenn sie in meiner Nähe sind. In meinem Sohn werden sie mich mißhandeln, trotz all des Guten, das er ihnen tun wird. Ja, in meinem Sohn werden sie mich verleumden und schließlich kreuzigen, um mich sterben zu sehen.

Werde ich deshalb aufgeben?

Nein, meine Liebe zu meinen Kindern, den Menschen, ist zu groß. Ich gab nicht auf. Ihr müßt anerkennen, daß ich euch, man könnte sagen, mehr liebe als meinen Sohn, und um es noch deutlicher zu sagen, mehr als mich selbst.”

Hier begegnen wir dem Geheimnis der Liebe Gottes zu uns Menschen, die sich in der Antwort Jesu auf die Frage von Petrus widerspiegelt. Es ist wie eine unbegrenzte Vergebungsbereitschaft, die nur dann nicht wirksam werden kann, wenn der Mensch sich ihr verschließt und sich sozusagen selbst richtet.

Für uns, die wir dem Herrn nachfolgen, gilt es, zu dieser Größe der Liebe zu erwachen, um auch in uns eine solche Vergebungsbereitschaft zu erwecken. Das ist nur durch die göttliche Liebe möglich. Hier besteht ein Zusammenhang mit dem, was ich über den Weg zur Herzensbekehrung gesagt habe.

Was sollte die Welt sonst retten, wenn nicht die Vergebung durch Gott, die sich auch in unserem Leben zeigen soll? Es ist die Quelle überströmender Barmherzigkeit, die Gott dieser Welt anbietet, denn er will nicht den Tod des Sünders, sondern daß dieser gerettet wird. Petrus mag vielleicht von der Antwort Jesu überrascht gewesen sein, daß er seinem Bruder immer vergeben soll. Doch in dieser Antwort begegnet er auf besondere Weise der Liebe des Erlösers, die sich dann am Kreuz für alle Menschen zeigt. Alle Menschen brauchen nur zu ihm zu kommen und ihr Herz zu öffnen, dann wird ein Strahl der göttlichen Liebe in ihr Herz strömen.

Wie leicht macht es uns der Herr – und doch: Wie viele Menschen gehen daran vorüber und kennen diesen Weg seiner Liebe nicht! Oft steht sich der Mensch selbst im Weg, diese Gnade der Vergebung anzunehmen. Er weiß nicht, wie gütig Gott ist und wie weit seine Liebe reicht. Laßt es uns ihm sagen!

Was können wir von dem Wort von heute mitnehmen?

Es gilt, sich im Bad der Liebe Gottes reinwaschen zu lassen, damit unser Herz seine Liebe tiefer aufnehmen kann. Gewiß kann Vergebung erst dann wirksam werden, wenn der andere seine Schuld einsieht und um Vergebung bittet. Aber so, wie Gott immer bereit ist zu vergeben, so soll auch unser Herz werden. Es soll diese Vergebungsbereitschaft in sich tragen. Das wird dann gelingen, wenn die Liebe Gottes unser Herz gereinigt hat. Es gibt ja diesen wichtigen Satz im Gebet des Herrn: “Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern(Mt 6,12). Das möchte unser Herr! Dann kann uns seine Liebe auf unserem Weg weiterführen. Denn wenn wir nicht vergeben oder zur Vergebung bereit sind, dann blockieren wir die Liebe unseres Herrn, die uns läutern und erfüllen will, damit wir handeln wie er!

Die »Blume« des heutigen Tages:

  • Ein Herz, das immer bereit ist zur Vergebung.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/ein-zerknirschtes-herz-2/#more-8571

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-gnade-der-vergebung-4/#more-12411

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