In der heutigen Lesung aus dem Propheten Ezechiel befindet sich der Herr im Rechtsstreit mit seinem Volk, das ihm vorwirft, ungerecht zu sein. Um was geht es? Der Herr erklärt:
“Wenn der Schuldige sich von allen Sünden, die er getan hat, abwendet, auf alle meine Gesetze achtet und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, dann wird er bestimmt am Leben bleiben und nicht sterben. Keines der Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, wird ihm angerechnet. Wegen seiner Gerechtigkeit wird er am Leben bleiben. Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen – Spruch Gottes, des Herrn – und nicht vielmehr daran, daß er seine bösen Wege verläßt und so am Leben bleibt? Wenn jedoch ein Gerechter sein rechtschaffenes Leben aufgibt, wenn er Unrecht tut und all die Gräueltaten begeht, die auch der Böse verübt, sollte er dann etwa am Leben bleiben? Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet. Wegen seiner Treulosigkeit und wegen der Sünde, die er begangen hat, ihretwegen muß er sterben” (Ez 18,21–24).
Offensichtlich waren die Juden mit diesen Aussagen nicht einverstanden, denn der Herr sagt durch den Propheten: “Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig.” (Ez 18,29)
Doch es bleibt wahr, was der Herr zu verstehen gibt: Derjenige, der sich nicht bekehrt stirbt in seinen Sünden, aber derjenige, der umkehrt lebt. Letzterer wird gerettet. “Weil er in sich gegangen ist und sich von allen Freveln, die er verübt hat, abgewendet hat, wird er das Leben haben und nicht sterben. (Ez 18,28).
In zweierlei Hinsicht ist dieser Text auf unserem Weg der Bekehrung eine wertvolle Mahnung. Sollte es unter uns noch welche geben, die nach zwei Seiten schwanken, dann gilt es keine Zeit zu verlieren und sich Gott ganz zuzuwenden sowie die Wege der Halbheiten oder gar der Sünde zu verlassen. Das Leben ist zu ernst und zu wertvoll, um Zeit zu verlieren und zu verhindern, daß Gottes Liebe in unsere Herzen eindringen und Frucht bringen kann. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Ausübung des Glaubens nicht einer unter anderen Lebensentwürfen ist. Es ist das Leben selbst und der Gewinn des ewigen Lebens. Wir leben gegen den Sinn unseres Daseins, wenn wir nicht die Wege Gottes gehen und können sogar verlorengehen.
Für diejenigen, die bereits ernsthaft auf dem Weg sind, gilt es, auszuharren und treu zu bleiben. Denn es kann geschehen, wie im Text beschrieben, daß man angefangene gute Wege wieder verläßt und am Ende nicht in der Gnade stirbt. Niemand darf sich im Leichtsinn zu sicher fühlen, indem er meint zu stehen (vgl. 1 Kor 10,12), damit niemand sagen kann, man habe zwar gut begonnen, aber schlecht geendet.
In der Apokalypse gibt es ein Sendschreiben des Herrn an die treue Gemeinde von Smyrna. Es endet mit der Verheißung: “Sei treu bis in den Tod, so will ich Dir den Kranz des Lebens geben”(Apk 2,10b). Wir könnten diesen Satz als häufig wiederholtes Gebet wählen, um vom Herrn die Treue bis in den Tod zu erbitten.
Das heutige Evangelium zeigt uns einen fast unbegreifbaren Konflikt. Jesus erbarmt sich eines Mannes, der seit achtunddreißig Jahren krank war und am Teich Bethsaida auf das Wunder der Heilung hoffte. Da ihn aber niemand in das heilende Wasser trug, das von einem Engel des Herrn von Zeit zu Zeit bewegt wurde und nur der geheilt wurde, der als Erster ins Wasser stieg, hatte er die Hoffnung wohl so gut wie aufgegeben. Doch Jesus, der »Herr der Engel«, sagte zu ihm: “Steh auf, nimm deine Liege und geh! Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Liege und ging”.( – )
Eigentlich war es ein Grund zur großen Freude, wenn Gott ein solches Wunder wirkte. Da es aber Sabbat war und das Tragen einer Bahre bei den Juden als Arbeit galt, die an diesem Tag untersagt war, nahmen die Juden Anstoß daran und stellten ihn zur Rede. Der Mann erzählte ihnen seine Geschichte und berichtete ihnen – weil sie nachgefragt hatten –, daß es Jesus war, der so an ihm gehandelt und ihn gesund gemacht hatte. An dieser Stelle hätte dem Herrn nun der Lobpreis dargebracht werden müssen. Doch statt sich an der Heilung des Mannes zu erfreuen, der so lange gelitten hatte, und zu erkennen, daß Gott am Werk war, verschlossen die Juden zunehmend ihr Herz vor Jesus. Er hatte sie nicht nur durch die wunderbare Heilung selbst eingeladen, zu verstehen, sondern gab ihnen auch den Schlüssel zum Verständnis, indem er erwiderte: “Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke” (Joh 5,17).
Leider verschließen sich die Herzen der feindseligen Pharisäer nun immer mehr und für den Herrn wird es zunehmend gefährlicher.
Es ist bestürzend zu sehen, daß gerade jene Pharisäer und Schriftgelehrten, die in den Augen der Menschen damals als fromm galten oder zumindest so angesehen werden wollten, sich dem Handeln Gottes verschlossen. Wir alle wissen, wohin diese Feindschaft noch führen sollte. So wurde das Gebot, den Sabbat zu heiligen, – das an sich sehr gut und richtig ist – leider mißbraucht, um Anklage gegen das Handeln des Herrn zu erheben. Er mußte klarstellen: “Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat. Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat” (Mk 2,27–28).
Die »Blume« des heutigen Tages:
Nehmen wir die wertvollen Mahnungen der Texte wieder als Blumen mit:
- Bitten wir um Beharrlichkeit in der Nachfolge des Herrn.
- Mögen wir die Hierarchie des Handelns Gottes verstehen und nicht da gesetzlich werden, wo Gottes Geist uns in die Weite führen möchte!
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/der-bund-mit-gott/#more-6044
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-feinheit-der-lehre-jesu-2/#more-14492

