Ein Blick auf die so wichtigen »letzten Dinge« bleibt unvollständig, wenn wir nicht auch die Möglichkeit einer Verfehlung des Lebens in Betracht ziehen, denn davon geben sowohl die Heilige Schrift als auch die kirchliche Lehre eindeutig Zeugnis.
Gewiß mag es erschreckend sein, davon zu hören, aber das ist kein Grund, diese Dimension unseres Glaubens zu verschweigen, denn es gibt auch so etwas wie einen »heilsamen Schrecken«. Der heilige Johannes Chrysostomos unterstreicht die Wichtigkeit dieser Lehre und betont, wie wesentlich es ist, sie in Erinnerung zu behalten.
“Wahrhaftig, würden wir immer an die Höllenstrafe denken, wir würden nicht leicht hineingeraten! Deshalb hat Gott uns die Höllenstrafe angedroht: Hätte der Gedanke daran nicht etwas Heilsames, so hätte er es nicht getan. Weil die Erinnerung an die Höllenstrafen so große Wirkungen hervorbringt, hat Gott uns die Drohung wie eine heilsame Arznei gereicht. […] Eine Seele, die die Hölle fürchtet, wird nicht leicht in Sünde fallen. […] Die im Herzen wohnende Furcht verbannt daraus alles Sündhafte.” (J. Chrysostomos, Homilie zum 2. Brief an die Thessalonicher, 2,3)
Soweit das Wort des Heiligen, der besonders die erzieherische Dimension des Gedankens an die Hölle betont.
Doch wie kommt ein Mensch in die Hölle? Das geschieht, wenn er sich willentlich und mit vollem Bewußtsein gegen Gott entscheidet und so das Gnadenangebot Gottes ausschlägt. Im Katechismus der katholischen Kirche heißt es dazu:
“Die Lehre der Kirche sagt, daß es eine Hölle gibt und daß sie ewig dauert. Die Seelen, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden, „das ewige Feuer“. Die schlimmste Pein oder Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann, für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt.” (KKK Nr. 1035)
Um der Anschaulichkeit willen seien noch andere Stellen erwähnt, welche in einem älteren Katechismus so beschrieben werden:
Welche Strafen werden die Verdammten erleiden?
1) Innere Qual und Verzweiflung beim Gedanken an all das Böse, das sie getan, und an die vielen Gnaden, die sie mißbraucht haben (Weish 5,1–15; Mt 8,12);
2) unaussprechliche Betrübnis und Trostlosigkeit, weil sie die Glückseligkeit des Himmels durch eigene Schuld verloren haben (Lk 13,25–28);
3) die häßliche Gesellschaft der Teufel und aller Verdammten (Mt 25,41);
4) die unerträglichste Marter und Pein ohne Hoffnung einer Linderung oder eines Endes; denn ihr Feuer wird nicht erlöschen und ihr Wurm nicht sterben. (Mk 9,45; Apk 20,9–10)”
(Katechismus von Joseph Deharbe, 1883)
Derselbe Katechismus erläutert noch die Gründe, warum die Strafen ewig sind:
1) Weil die Beleidigung der unendlichen Majestät Gottes von seiner Gerechtigkeit eine Strafe fordert, die ohne Ende ist.
2) Weil nach dem Tode die Bekehrung unmöglich ist, und deshalb die Verdammten in der Sünde verstockt bleiben.
3) Weil Gott vermöge seiner Heiligkeit das Böse nicht minder haßt, als er das Gute liebt, und deshalb das Laster ewig straft, wie er die Tugend ewig belohnt.
4) Weil nur die Ewigkeit der Höllenstrafen ein hinlängliches Mittel ist, die Menschen vom Bösen auch im Verborgenen abzuschrecken.”
Weiter heißt es:
Werden alle Verdammten gleich viel leiden? Nein, sondern jeder wird leiden nach dem Maße seiner Sünden und nach dem Mißbrauche der ihm verliehenen Gnaden. »Wie sehr sie (die Stadt Babylon) sich herrlich gemacht und in Lüsten gelebt hat, so viel gebet ihr Qual und Leid« (Apk 18,7).
»Von einem jeden, dem viel gegeben worden ist, wird viel gefordert werden« (Lk 12,48).”
Diese Erläuterungen mögen genügen, um diese leider oft vernachlässigte Lehre in Erinnerung zu rufen. Für uns Gläubige ist sie eine beständige Mahnung, unser Leben mit großer Wachsamkeit und frei von Leichtsinn und Überheblichkeit zu führen.
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die kirchlich anerkannten Erscheinungen der Muttergottes in Fatima (1917 in Portugal). Sie ließ die Seherkinder die Hölle sehen. Die Seherin Lucia beschrieb dies wie folgt:
“Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.”
Die Vision dauerte nur einen kurzen Moment, und es wurde klar, warum die Muttergottes den Kindern dies gezeigt hat. Es geht darum, daß für die Menschen gebetet wird, die in der Gefahr stehen, in die Hölle zu kommen. Das gilt auch für uns alle!
Angesichts des großen Bedeutung der Lehre von der Hölle möchte ich dazu einladen, dem Rat der Muttergottes zu entsprechen, und am Ende jedes Gesätzes des Rosenkranzes folgendes Gebet zu sprechen:
“0 mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden,
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle.
Führe alle Seelen in den Himmel,
besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!”
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/ostermontag-unerschrocken-verkuenden/#more-6312
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/der-auferstandene-gibt-sich-zu-erkennen/#more-8758

