Über die Selbsttäuschung, Teil 3

Heute beenden wir den Text über die Selbsttäuschung und damit über die geistige Blindheit: Es fehlen noch in einer Nachbetrachtung Überlegungen, wie wir aus dieser Selbsttäuschung aufwachen können und welche weiteren Gründe eine Selbsttäuschung begünstigen: Das soll dann am folgenden Tag betrachtet werden!

Nun die Weiterführung des Textes von P. Sladek mit Kommentaren von mir:

Die bereits erwähnte Spaltung von “Kopf” und “Herz”, von bewußtem Denken und dem wirklichen, aber in das Unbewußte abgeschobenen Wollen und Lieben, ist die besondere Versuchung der geistig hochstehenden Menschen, der Intellektuellen, also auch der Theologen. Nach dem Bild des Aristoteles leuchtet der Verstand die Wirklichkeit aus. Der Wille sollte sich nach der erkannten Wahrheit, „der Wahrheit”, richten. Er kann sich allerdings in seiner Freiheit auch über die erkannte Wahrheit hinwegsetzen und wählen, was ihm gefällt, und nicht, was richtig ist. Bei der Spaltung von Verstand und Wille wird die ichhafte Grundrichtung des Wollens mit seinen Entscheidungen in das Unbewußte abgeschoben. Während sich also der Mensch mit dem Verstand mit der Wahrheit beschäftigt und sich in seinen überlegten (bewußten) Entscheidungen an ihr orientiert, sucht er in der Tiefe mit seinem wirksamen, aber unbewußten Wollen nur die Befriedigung des eigenen Ich‘s. Daher kann ein Theologe ein großes Werk über die Demut schreiben, muß aber deshalb nicht demütig sein. Er ist vielleicht sogar stolz auf seine tiefen Erkenntnisse über diese Tugend.

Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, diese Zusammenhänge wahrzunehmen und zu entdecken! Das gilt sowohl für das persönliche Leben, als auch für das Leben der Kirche! Die Authentizität des christlichen Zeugnisses verlangt danach, daß man mit Kopf und Herz die Wahrheit des Zeugnisses für das Evangelium verwirklicht. Deshalb muß man die Widersprüche in sich entdecken und wahrnehmen und darf sie nicht übergehen. Auch wenn die ganze Einheit von Verstand und Herz nicht rasch gefunden werden kann, so ist die Erkenntnis des inneren Widerspruchs und die bewußte Arbeit an ihrer Überwindung ein entscheidender Schritt, aus der Blindheit aufzuwachen!

Der intellektuelle Hochmut findet eine tiefe, wenn auch unbewußte Befriedigung darin, wie von einer höheren Warte aus Gott und die göttlichen Geheimnisse zum Gegenstand seines kritischen Nachdenkens zu machen. Er erlebt dabei umso lustvoller die eigene Begabung, je kühner seine Gedankengänge und je schwieriger seine Ausdrucksweise wird. Es kann zutreffen, daß die sog. kritischen Theologen heute in Gefahr stehen, “hinter der modernen Wissenschaft herzulaufen, statt ihr von der betenden Theologie her die Wahrheit zu sagen”. Aber auch das “Sagen der Wahrheit” kann ein unbewußtes Machterlebnis sein, wenn es sich um ein “Hineinsagen” handelt und nicht um ein demütiges Bezeugen der Wahrheit. Auch beim Einsatz für die Wahrheit kann es mehr darum gehen, den Gegner mit Argumenten zu “erledigen” und über ihn zu triumphieren, statt ihm den Weg zum Verständnis der Wahrheit zu öffnen. Übereifrige Vorkämpfer einer konservativen oder einer progressistischen Theologie können beide in gleicher Weise sündigen. Der fanatische Übereifer, der sich gegen die Wahrheitselemente in den Aussagen der anderen Seite verschließt, zeigt, daß es ihm in der Auseinandersetzung letzten Endes nicht um die göttliche Wahrheit geht, sondern um selbstgerechte Rechthaberei und Machtwillen, wobei die Wahrheit mißbraucht und die Liebe verletzt wird.

Wir werden nur dann nicht nur neue, sondern auch richtige Wege für die Erneuerung der Kirche und des Ordenslebens in unserer Zeit finden, wenn wir uns von unbewußten Fixierungen auf das eigene Ich freigemacht und damit uns bis in die unbewußte Herzenstiefe für die Wahrheit und die Liebe Gottes und für Seinen Anruf in dieser Zeit geöffnet haben.

Dieser Text führte uns nun in eine gründliche Analyse über den Vorgang der Selbsttäuschung, die sicher weit verbreitet ist! Das aufrichtige Gebet an den Herrn, uns die Augen zu öffnen, wird von Gott sicher nicht unbeachtet bleiben, und ich möchte versuchen, noch Hilfestellungen zu geben, wie man die geistige Blindheit mit der Hilfe Gottes zu überwinden vermag!


Harpa Dei begleitet gesanglich die täglichen Schriftauslegungen bzw. geistliche Lehre von Br. Elija, ihrem geistlichen Vater . Diese Meditationen kann man auf folgender website hören: https://www.elijamission.net

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