Nur der Sohn macht euch frei, Teil 9

In der letzten Reflexion habe ich darauf hingewiesen, daß man sich dynamisch überlegenen Personen nach Möglichkeit entziehen sollte, sobald man festgestellt hat, daß diese uns negativ beeinflussen und wir ihnen nicht genügend widerstehen können. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß es sich hier nicht um Feigheit, sondern um kluge Einsicht in die eigene Schwäche handelt. Allerdings muß man dies gut unterscheiden, denn es gibt auch eine Tendenz im Menschen, allen Konflikten aus dem Weg zu gehen, um sich zu schützen oder eine falsche Harmonie zu suchen. Hier kann dann die Feigheit das Motiv sein, welche in Christus unbedingt überwunden werden muß, denn sie kann uns disponieren bis hin zur Verleugnung des Herrn.

Wie man mit einem wachen Geist leicht feststellen kann, ist die Manipulationsmöglichkeit in der heutigen Welt fast omnipotent. Man braucht nicht besondere Verschwörungstheorien heranzuziehen, um sich klar zu machen, daß die „Riesen“ auf den Internetmärkten alle Register ziehen können, um die Menschen zu beeinflußen – und dies ja teilweise auch tun, ebenso wie die Regierungen.

Wenn man sich aus katholischer Sicht anschaut, welche Weltanschauungen bei den „Giganten“ vorherrschen, wird es deutlich, daß sie in moralischer Hinsicht meist völlig entgegengesetzte Ansichten vertreten, als diejenigen von Katholiken! Wir können also im Sinne der Wahrheit von ihnen nicht etwa eine positive Beeinflußung der Menschen erwarten. Im Gegenteil!

Es ist schmerzlich wahrzunehmen, daß auch in der katholischen Kirche immer mehr, früher selbstverständliche, moralische Überzeugungen aufgeweicht werden, und die Kirche nicht mehr wie zuvor als moralische Autorität wie ein Fels in der Brandung steht.

Um der fast allgegenwärtigen Beeinflussung zu entgehen, ist ein sehr bewußter Umgang mit den Medien nötig, besonders auch mit den Smartphones, die für viele Menschen schon derart zum Leben gehören, daß sie nicht mehr wegzudenken sind. Es muß uns bewußt werden, daß diese Geräte in besonderer Weise zum Instrument der Beeinflußung werden, da sie so gut wie immer und überall Botschaften transportieren können und zudem Abhängigkeiten entstehen lassen, die wir kaum mehr wahrnehmen.

Doch geht es mir noch um etwas anderes. In einer Zeit zunehmender antichristlicher Beeinflußung durch die Medien, die Politik, durch die im Allgemeinen von den Geboten Gottes abweichende Moral – oft auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft oder gar in der Verwandtschaft – ist es nötig, eine Art „innere Mönchszelle“ in uns entstehen zu lassen, in die wir immer einkehren können.

Damit meine ich eine durch das Gebet und die innige Gottesbeziehung geformte „Kammer des Herzens“, in die wir uns zurückziehen. Es sollte also ein geistiger Raum in unserer Seele vorhanden sein, der uns unbeeinflußt von all den äußeren Eindrücken immer offen steht und in dem wir verborgen die Beziehung zu Gott pflegen können. In diese Herzenskammer gilt es immer dann einzukehren, wenn wir merken, daß die Beeinflußungen oder gar Manipulationen stark werden und uns attackieren. Dabei muß uns klar sein, daß wir es nicht nur mit Menschen zu tun haben, die uns mit ihren falschen Überzeugungen oder relativistischen Ansichten begegnen, sondern daß dahinter gottfeindliche Geister stehen, die ihren Einfluß auf uns ausüben wollen.

Wir müssen uns darauf einstellen, daß der „antichristliche Geist“ immer mehr die Dominanz in der Welt und zunehmend auch in unserer Kirche übernehmen will. Da muß es im Innern unserer Seele eben jenen Raum geben, der sowohl zum Rückzug dient als auch zur Kräftigung und Orientierung, um den geeigneten Widerstand leisten zu können. Es ist ein Raum, den der Feind nicht kennt und deshalb auch nicht erreichen kann. In diesem Raum sollten sich viele Gebete angesammelt haben: die Psalmen, der Rosenkranz, Worte der Heiligen Schrift, das Herzensgebet, die innere Anbetung Gottes und auch die Kenntnis der authentischen Lehre der Kirche.

Dieser Innenraum entsteht besonders durch die Kontemplation, durch das stille Verweilen vor dem Allerheiligsten, das häufige und regelmäßige Gebet, die Lesung der Heiligen Schrift und durch den Empfang der heiligen Sakramente.

Statt den Begriff „Kammer unseres Herzens“ zu nehmen, können wir auch sagen, daß wir im Herzen Jesu und im Herzen der Gottesmutter Maria verankert sind und uns der Weg zum Herrn und seiner Mutter immer offen steht.

Es ist natürlich wunderbar, in einer Gemeinde oder Gemeinschaft zu leben, in der wir den Glauben miteinander teilen, und dort Sicherheit und Schutz zu finden. Aber ist das heute in unseren Gemeinden so?

Wie ist das heute mit jenen gläubigen Katholiken, die noch daran festhalten, daß z.B. der sexuelle Verkehr nur in in die Ehe gehört und nur jene die heilige Kommunion empfangen können, welche sich im Stand der Gnade befinden?

Wie ist es mit jenen, die daran festhalten, daß das Evangelium zu allen Völkern getragen werden soll und auch die Juden, die Moslems, die Buddhisten gerufen sind, sich der wahren Religion zuzuwenden und die Religionen nicht etwa in gleicher Weise von Gott positiv gewollt sind?

Wie ist es mit jenen, die nach wie vor glauben, daß die Anwesenheit von Götzenfiguren im katholischen Bereich eine Verletzung des ersten Gebotes ist und nicht etwa eine gelungene Inkulturation, welche zur Bekehrung der Indios beiträgt?

Wie ist es mit jenen, die sich ganz bestimmt nicht der UN oder der europäischen Institutionen unterordnen werden, wenn diese sich antichristlich gebärden?

Sind das alles hoffnungslose Rigoristen?

Wer heute am überlieferten Glauben festhalten will – und das sollten wir um der Wahrheit willen tun – braucht mehr denn je die „innere Herzenskammer“, in die er sich jederzeit zurückziehen kann. Dort ist jener Raum der Freiheit in Christus, der uns dann immer wieder fähig macht, in dieser Freiheit unsere Entscheidungen in Wahrheit zu fällen und sie dann auch umzusetzen. In der innigen Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist, der in unsere Herzen eingegossen ist, werden wir in der Gnade Gottes stark genug sein, an unserem Glauben festzuhalten.

„Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,31.35.38).


Harpa Dei begleitet gesanglich die täglichen Schriftauslegungen bzw. geistliche Lehre von Br. Elija, ihrem geistlichen Vater . Diese Meditationen kann man auf folgender website hören: https://www.elijamission.net